Damals, als wir noch den kleinen Ritterrüstungshandel betrieben, lernten wir ein paar spezielle Menschen kennen, zum Beispiel den alten, blinden Masseur, der mit seiner noch viel älteren Mutter kam und die Rüstung überall befühlte mit einem Glückslächeln im Gesicht. Oder wie jemand aus dem Nachbarauto an der Ampel staunte, hatte ich doch als stolzen Beifahrer diese Rüstung mit Federbusch dabei.

Wir holten die recht schweren Teile immer in Würzburg beim Herrn Schneider, der hinter jedem Satz „Netwoar“ sagte.

Noch heute treffen wir an so manchem Ort diese Rüstungshandelssachen.

Rüpel

Was war da mal:

einer brachte uns aus dem BU-Laden am Frankfurter Flughafen einen Packen Schokopralinenkamasutra mit.

eine krachte sommers im Holzliegestuhl um, einfach zusammen gefaltet.

unser Hund und ein Gasthund hoben im turbulenten Streit den schweren Küchentisch hoch.

frisch gewaschene Mullwindeln froren auf dem Speicher zu Kaltbrettchen.

als wir beim jungen Familientherapeuten zu Besuch waren, gab er seinem kleinen Sohn eine Wutohrfeige, weil der einen Becher Milch umgeschmissen hatte. Vielfaches Entsetzen, denn so einer müsste es besser wissen…

kleine Schülerin nippte am Wasserfarbenwasser, weil es nach Cola aussah.

die Pfingstlerjungs aus dem Sibiriendorf lasen heimlich unter der Schulbank nix lieber als die Bravo.

die Pfingstlermädchen trugen Gazekofptücher und beteten für mich.

als Kind fand ich schade, kein Däumling sein zu können, keine Tarnkappe zu haben…

Stube

In der ersten Strophe eines Gedichtes von Rose Ausländer heißt es:

„Wir haben die Fenster

mit Schnee gewaschen

Helios atme sie trocken“

das flüstere ich derzeit oft vor mich hin. Es tröstet ungemein, obwohl mir nicht klar ist, wieso…

Frequenz

Null

„Wenn du klein bist, musst du oft tun, was andere wollen.

Wenn du alt bist, machst du, was du willst.

Du musst keinem mehr gehorchen.

Höchstens einem Verkehrspolizisten.“

Worte aus einem wunderschön bebilderten Buch von Bettina Obrecht und Julie Völk:

„Wie anders ist alt?“

Manifest

brillant

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