Salamander

Lässig länger an Änderungsschneidereien gedacht. Oder an sinnlos einen packende Überschriften. Bei einer Reise am Mendocinopazifikstückchen an jeder kleinen Gemeindebücherei halt gemacht, weil es damals dort kostenloses Internet gab. Touristbüros im gleichen Gebäude gaben uns Countykarten mit Riesenbaumzweigchen. Und immer fragten sie: Darling, how are you today? Mir voll unbekannte Janis-Joplin-Doppelgängerinnen in fett roten Hängerkleidchen. Zuerst fand ich das unverschämt, gewöhnte mich schnell an die andere Kultur. Nachts knurrten zahnlose Drogenmenschen nebenan im filzigen Hotelzimmer, warfen sich gegen die dünne Wand, schleuderten mit Müllbeuteln.

Eine Freundin muss sich Erinnerungsströmen entgegenwerfen. Sie räumt gerade ihr Elternhaus leer und hat dabei kaum was zu lachen. Die Mutter lebt noch, in einem Heim in der Nähe, war Malerin. Das wilde Arsenal von Bildern. Was tun damit? Hätte sie Vanillepuddingpäckchen gesammelt, wäre es einfacher…

erklecklich

Mein Soziologiestudium abgebrochen. Begründung siehe Überschrift.

Deshalb flattert mir die Unterlippe, will ich mich zur Erlangung wichtiger Kenntnisse in solches Material vertiefen.

Deshalb hier ein Link, bei dessen Lektüre die Flatterlippe still blieb:

https://babajeza.wordpress.com/2020/07/29/ohne-gehts-nicht-9-52-fotoreise-wearing-a-mask/#comment-25465

Es schrie mir mit hoher Aufmerksamkeitsaidaformel entgegen, dass es ein intelligentes Postfach sei. Ah ja.

Und wenn jemand im Netz so Worte wie „Yummie“ oder „Menne“ nutzt, dann renne ich mental, weil sich mein inneres Dings dagegen spreitzt.

Kein Tirallalabeitrag war das gestern, deshalb einige Stunden nach dem Befreiungsgefühl, verursacht durch das Endlichaufgeschriebenhaben, wieder unsanft gelöscht.

Lieber in uralten Handarbeitsbüchern für Mädchen stöbern. Unzeitgemäßes macht Freude.

Placebo

Mutti

Ihr Gatte hängt tot im Baum, sein einer Cowboystiefel steht kurz vorm Abgrund, sie hat sich eingenässt, aber überlebt, als Einzige. Der junge Pilot hatte noch eine Weile trotz zerfetztem Kopf vor sich hin gebrüllt und sinnloses Zeug gesungen, er glaubte, beim Zahnarzt und unter Narkose zu sein. Überhaupt, ein skuriller Romanbeginn.

Erinnert mich an eine Geschichte im Lesebuch für die sechste oder siebte Klasse, eher war es eine Art Doku. Über eine junge Überlebende und wie sie aus dem Urwald herausfand.

Die Überlebende im Buch ist 72 Jahre alt, und ich begebe mich jetzt ins geschilderte Geschehen. (Cloris, von Rye Curtis)

Weltende

Es ist ein Weinen in der Welt,

Als ob der liebe Gott gestorben wär,

Und der bleierne Schatten, der niederfällt,

Lastet grabesschwer.

Komm, wir wollen uns näher verbergen…

Das Leben liegt in aller Herzen

Wie in Särgen.

Du! Wir wollen uns tief küssen –

Es pocht eine Sehnsucht an die Welt,

An der wir sterben müssen.

(Else Lasker-Schüler. 1869-1945)

Defilee

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