Habe man beide Eltern verloren, fühle man sich wie Treibgut in der Welt, sagt eine.

Man kann nicht um einen Fluss herum laufen, vielleicht eventuell um die Quelle. Man fragt sich ob der Träume, welche bunten Vögel nächtens im Geäst hängen. Man lässt Federn. Geht durch die schweren Holztore der alten gräflichen Güter, die Mägde flechten Körbchen und Kränze, anderswo. Im Wigwam in Kamloops eher selten. Dort liegen noch unentdeckte Kindergräber zur Genüge. Draußen nur Kännchen, bald gar keine mehr. Die Gedanken stolpern ins Weitflächige.

Irrtum

Oktobernacht

Ich mache ein Gedicht,

Das aus Schweigen besteht.

Löscht meine Worte aus

Und seht: Der Nebel geht

Über die Wiesen. Und droben

Der große Oktobermond.

Die Nacht ist von schreienden Hirschen

Und ihren Jägern bewohnt.

Die Nacht ist völlig windlos.

Keine Bewegung im All.

Bis auf die Birke mit ihrem

Lautlosen Blätterfall.

(Eva Strittmatter: Beweis des Glücks. Gedichte. Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig 1988. 3. Aufl.)

der rote Faden

Sie leuchten aus dem Braungrünen heraus, die orangenen Dinger. Abzwacken und in große Glasgefäße, einzige Herbstdekoration bisher. Wozu?

Vielleicht, um sich daneben zu setzen und einen feinen Nachruf auf sich zu schreiben, damit man weiß, wie man gelebt haben will. Schließlich hat man als unbedarftes Kind die Tapeten überm Gitterbett abgeknibbelt, es müsste doch was Interessantes sich darunter befinden. Anzünden des Fetzenhäufchens im Kinderbett wäre eine Alternative gewesen, aber für den Versuch gab es die einzige Kloppe vom Großvater, ansonsten eine Seele von Mensch, wie man in der Familie stets beteuerte.-

Mehr Freude hätte mir diese Schaukel überm Bach gemacht, zu sehen beim heutigen Eintrag von Quersatzein (s.Blogroll)!

Gewohnheitsrecht

Zum weniger hören kommt hinzu, dass ich jüngere Leute weniger verstehe. Wenn z.B. einer sagt: da geht nur 3G…was weiß ich!

Ausgesprochen gern lese ich im Buch von Zsuzsa Bánk übers „Sterben im Sommer“. Der alte Hausarzt, der die Protagonistin am Ende des Praxisbesuchs fragt, wann sie das letzte Mal ein Gedicht der Droste-Hülshoff gelesen habe, oder die Beschreibungen ihres Vaters, seine Art, die sie vermissen wird, wie er mit ihren Kindern umgeht, jederzeit für sie da…Kinder sind für ihn Mittelpunkt der Welt – dafür lieben diese ihn anschmiegsam und lebensbejahend heftig, ihn, der sterben muss; in Frankfurt-Höchst, anstatt im Paradiesgarten in Ungarn…

Trotz des schweren Themas eine guttuende Lektüre!

Eunuchen

Nach dem feinen Sprühregen heute Vormittag bemerkt, dass mit Wein- und Zuckerrübenernterückständen die Straßen schwieriger zu befahren sind.

Die Überschrift in der Regionalzeitung „Rasen wird deutlich teurer“ ließ mich in Überlegungen geraten, wieso denn unsere kleine Gartenwiese plötzlich mehr kosten solle?

Das Lieblingswort des Enkels ändert sich beinahe täglich, gestern war es „offensichtlich“. Ich erinnere mich an meine Vorlieben der Kinderzeit. Mir fällt aber lediglich ein, dass ich zu ein paar Nachbarsfrauen ging und um ein Spiegelei bat, ich hätte solchen Hunger. Es hagelte Backpfeifen, als meine Bitteroma, bei der ich lebte, davon erfuhr. Was sollen die denn denken, womöglich, dass du hier hungern musst.

Nein, aber Milchsuppe mit altem Brot und fetten Rosinen mundete mir nicht.

Zeiträuber

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