-truhe

Nicht fertig werden damit, dass unser Auto auf Lea Linsters Parkplatz im Luxembourgkeller stand. Ach, meinte sie, es gibt Schlimmeres, zum Beispiel das Aufkommen amerikanischer Bräuche wie Babyshowerparties.

Ganz anders die Idee, aus einer uralten Holztür einen Schreibtisch zu fertigen. Besonders stabil, nicht mehr nach den Kühen riechend, die einst hindurch liefen, oder deren Gesäuse unter ihr ins Freie lief.

Ein Gedenk- und Nachforschungsverein will sich hier gründen, das ist löblich. Mir fällt der alte Nazi-Bürgermeister ein, der aus seinem Schrottauto stets jovial winkte, als sei er König von Dings.

In Büchern mag ich die Beschreibungen schräger Charaktere sehr, deshalb gefällt mir meine aktuelle Lektüre: „Fünf Tage im Mai“, von Elisabeth R. Hager, schon mal gespickt mit einem Poetenwort wie dem von Trakl: „Nachts blieb er mit seinem Stern allein.“

Vor Augen noch dieses Bild von gestern, wie der fein strubbelige Frisör an seiner Glastür stand und zu uns ins Glascafe rüberwinkte.

Gestern Abend in einer Lanzshow, die ich sonst nie schaue, erzählte der wilde Andreas Altmann wunderbar theatralisch von einer Kamelbibliothek, wo sich Kinder in einsamsten Gegenden wolllüstern auf Bücher stürzten. Oder er Rattenschwänze essen musste, natürlich mit schnellem Schnaps hinterher…

Pechvogel

Die Tasche mit dem Fellchen drin ist es nicht geworden, wohl aber schönes Treffen und Gespräch mit dem Sohn im neuen kleinen Cafe, in dem man auf der Lederbank eines halben Autos sitzen konnte. Gegenüber ein seriöses älteres Foto von Gina Lollobrigida und ein anderes mit bunten, typisch italienischen Rollern. Das Pobuch ist es wohl geworden und noch ein schönes für Eltern und Großeltern über das Vorlesen.

Die panikattackenartige Beflissenheit und das Chaos der Cafebetreiberin verhießen nix Gutes, doch wer weiß. Später klingelt eine mir bekannte Dorfleidende, sammelt für die Kriegsgräberdings, und weil meine beiden Onkels auch dort befürsorgt werden, gebe ich ein bisschen was. Der eine liegt in Tunis begraben, der andere in den Tiefen der Nordsee vor Norwegen. Da kommt keine Fürsorge hin. Beide waren in ihren frühen Zwanzigern, als sie starben. Die Eltern gingen daran kaputt, am Heldentod (wie das deklariert wurde).

Die Sinnfrage kommt auf, auch beim Gang durch die Tingeltangelfußgängerzone.

Ja. Nun?

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Aufbruch

Morgen will ich mir so eine Tasche mit Fell drin besorgen, als erstes kommt das kleine braune Buch mit dem Glanzweißlesebändchen rein. Dieses lässt mich die Seiten von „In Jazzclubs gehen und Whisky trinken“ aufschlagen.

„Älter werden heisst auch besser werden“ (Jack Nicholson) vorne innen auf der Glanzpapierklappe. Ach, derart superbe Vorschläge kriegste hier gemacht. Ein paar aus dem Inhaltsverzeichnis:

Ticks und Macken pflegen – Bikini tragen – Eine Playlist für die eigene Beerdigung zusammenstellen – Bahnen ziehen – Sich langweilen – Vögel beobachten —-

Das Buch heißt: Fünfzig Dinge, die erst ab Fünfzig richtig Spass machen!

Für den Enkel wurde das Buch: „Alle Menschen haben einen Po“ bestellt.

Buch- und Felltaschenkonsum, damit die Weltwirtschaft sich nicht ganz eintrübt.-

Flickenteppich

Montags kommt nur Post, die von jemand unerfindlichem für nötig gehalten wird. Heute war das eine Postkarte aus der Schweiz in feiner Handschrift mit den Worten eines Cäsar Flaischlen, die auch von der Absenderin oder von mir oder dir stammen könnten:

„Ich habe es gern drum, wenn Nebel liegt: es ist so traulich und so heimisch dann auf Erden.“

Ja! – Was für eine Freude am Montagmorgen!

Der Roomservice ist getan, der erste Buschtee getrunken, nun steht der Langsamkaffee neben mir, die Frischluftschritte erfolgen später.

Bisschen knarzige Lieder hören, „Tobacca Road“ oder „Spill the Wine“, da ist von heißen Sommertagen die Rede, von denen ich genug habe vorerst.

Mit dem großen arabiaruska-Kaffeebechermilchmisch durchs Haus streichen, pubertär gekleidet, im großmütterlichen Schaukellauf, hier ein Millerbuch greifend, dort Maxie Wander, an der Tür jemals bekommene Extrempostkarten betrachtend, z.B. Bauhaus-Frauen im Treppenhaus stehend oder die mit der Aufschrift: „In der Stille zwischen den Stürmen hört man die Fische singen“ (Gabriele Trillhaase, dort gibt es bemerkenswerte Kunstpostkarten!).

Und draußen schwinden die Nebelschwaden, machen dörflichen Schornsteindämpfen Platz und einem kalten Nieselregen.

Kellnerblöckchen

Im grauen Knautschaldihemdchen streunt sie durchs Haus, sämtliche Buntbedenken wegfegend, Eckenfeuerchen auslöschend. Nein, nein, auch Linzertorte darfst du nicht zum Munde führen. Lose Worte aber flüstern, darfst hören, was jemand über Azubibräuche in der Gastronomie erzählt. Hummer sollten sie Gassi führen und Reiskörnchenendsalat bereiten.

Die Trierer Tante erzählt, dass sie früher weite Strecken zu Fuß ging, dabei immer einen Quast an der Hand- auf meine Nachfrage: ein ungefähr elfjähriges Kind. Und ich hatte mir grad vorgestellt, sie schwenkte stets einen wolligen Dingsknuddel dabei.-

Schnecken und Igel haben sich verzogen, die Ringeltauben noch nicht, schwarze Rabenvögel haben die Restnüsse im Griff, machen die merkwürdigsten, meist knarrigen Geräusche allenthalben.

Die Abendlektüre lässt Ungutes über drei Frauen und einen leicht teigigen Mann vermuten: Dror Mishani: Drei. Diogenes 2019.

Beim gestern besuchten Büchermarkt leider die frühen Gedichte des Herrn Krolow nicht mitgenommen, genausowenig wie die Handtasche mit Fell zum Warmhalten der Kleinigkeiten aus dem Lederwarenschaufenster.

Dafür schöne Treffen und Gespräche im Kunstausstellungscafechen.

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