Da sagte mal einer, der ein paar Blicke in diesen Blog geworfen hatte: Die schreibt so jung.

Unter anderen Tätigkeiten per Fahrrad durch Sprühschnee an den Briefkasten.

Eine neue Bratpfanne mit Steinpartikeln kaufen, woraufhin der Nichthaushalter von mir wissen will, ob ich Bratpfannenfetischistin sei. Drei Pfannen in circa sechs Jahren, na, wer hat recht?

Dann doch eher Schönhalstuchsammlerin, Museumsshopfetischistin, Vanillekaffeetrinkerin, Slipverliererin, Steinchenanmalerin, Gewebesamtbefühlerin, Eclairgenießerin, Coffeetablebookbetrachterin, Sofagammlerin, Filmdramaweinfrau, Milkaverführte, was es so alles gibt.

Nussreste unterm Gartensteintisch werden sogleich vom Eichelhäherpärchen geholt. Die scheinen scharfe Nussriechorgane zu haben.

Das Leben valide machen. Sei`s drum.

Rettender Engel

 

Er ist der kleinste unter allen Engeln

und selbst sein Singen ist nur wie ein Strich.

 

Doch im Fach Demut hat er eine Fünf.

 

Fliegt mit den Bienen auf und nieder,

wenn Glockenläuten durch die Äste schneit.

 

Und davon wird sein Kleid kirschblütenweiß.

 

Und leuchtet vor auf seinem langen Weg

durchs Labyrinth der finsteren Systeme,

 

die sich, von soviel Anmut rettungslos

verwirrt, entwirrn, und Friede, Friede flüstern.

 

(Thomas Rosenlöcher. In: Und in der Nacht ein Licht. Hundert Trost-Gedichte. Hrsg.: Jürgen Engler. aufbau Berlin 2010)

Fehltritt

Amaryllis

Und wenn die Leute fragen, lebt der Hecker noch…: Mein Ohrwurm heute! Vielleicht ein bisschen James Last dagegen setzen, singen, brüllen – oder lieber Ry Cooder – diese Szenen aus Paris-Texas rollen schon mit den Augenwurmpupillen.

Hier habe ich mir ihre Herzworte angehört: http://voller-worte.de/

Vor lauter Winterschöngeborgenheit an meinen Zimmerpflanzen gezobbelt, braune oder abgeworfene Ästchen, weg damit und versucht, mit kraftvollen Rilkeworten etwas über den Blick auf den schneelosen Garten zu sprechen. Geht nicht.

Dafür gestern Abend ein schön tutteliges Buch zu lesen begonnen: Das Tortenprotokoll. Von einer Marianne Jungmaier. (Empfohlen durch einen Herrn Hund, der früher mal Bloginhaber war und heutzutage eine feine Chocolaterie in Berlin betreibt, wo ab und an Dichter lesen)

Wintermorgen

 

Der Wasserfall ist eingefroren,

die Dohlen hocken hart am Teich.

Mein schönes Lieb hat rote Ohren

und sinnt auf einen Schelmenstreich.

 

Die Sonne küßt uns. Traumverloren

schwimmt im Geäst ein Klang in Moll;

und wir gehn fürder, alle Poren

vom Kraftarom des Morgens voll.

 

(Rainer Maria Rilke)

selbstsüchtig

Ein paar feine Tässchen Stilltee kann ich mir noch bereiten, kümmelig, anisig, himbeerblättrig gelbgrünlich, seit fünf Jahren noch in der Küchenschrankecke, nun bei Radiorentnerlautstärke eingeschlürft. Dabei grübelnd, was eine transportable Analdusche ist, was mir heute Abend in der Sendung „Nachtsicht“ im Bayernfernsehen von einer um tausend Peinlichkeiten wissenden jungen Frau erklärt werden wird.

Das um sich greifende Altern macht mir schwer zu schaffen, vielleicht habe ich mich beim Feiern des achtzigjährigen Geburtstages mit Entsprechendem angesteckt. Zweimal musste der Notarzt kommen, weil eine siebenundneunzigjährige Dame umgekippt ist. In Ermangelung von Verwandten gab sie ihren Handtascheninhalt, wozu auch ihr Sparbuch gehörte, einer zufällig anwesenden Krankenschwester,die nun damit herumfährt. Die Tage des Alleinlebens sind für die alte Frau nun gezählt, denn wenn sie entlassen wird und daheim niemand ist, …man kennt das. Das Sparbuch wird an entsprechende Stelle gelangen.

Vielleicht bewirkt der Stilltee spritzige Lebensart – oder zumindest Anfälle mit Anmutungen deftiger Springseil- oder Treppenhupfübungen.

„Hupfdohle“ – wer sagte das so gerne? Der, der auch „Gewürzprüfer“ statt Nase sagte, oder „Wir satteln die Hühner und reiten nach Texas!“

Ich sollte mich mal wieder verstärkt in meiner Peer Group umschauen.

 

Schülerzeitung

Zuzeiten des tiefsten Januars über die Mittelgebirgsberge sich begeben, wobei mir seltsamerweise einfällt, wie mein Vater sich in seinen jüngeren Jahren mit einem Spezialanwaltsfreund, der aus Hamburgs Rotlichtviertel alle Vierteljahr angeritten kam, per Buch- oder Filmtitelbrüllerei begrüßte. Ich erinnere mich an „Schau heimwärts, Engel“ oder „Das grüne, grüne Tal“. Sei ruhig, heute ist „Das Schweigen“ dran. „Tief im Osten“, oder „Soweit die Füße tragen“ – das muss man ja nicht zweimal sagen. „Szenen einer Ehe“ oder „Unterm Dirndl…“, das kam später. Mit Sicherheit problematisierten sie ihre Tiefgänge erst im Wald oder zu später Stunde, ohne Anwesenheit ihrer bürgerlichen Damen.

Bei Reden zum 80. einer vornehm gewordenen Bauerntochter taucht plötzlich ein verschwiegenes Tabuschwesterchen auf, noch älter müsste die jetzt sein. Es gibt kein Grab, aber einen Namen. Erika.- Interessant. Warum wird die überhaupt jetzt erwähnt, verschwindet aber schnellstens unter fast unbemerktem Verlegenheitsgelächter im Dickicht der familiären Verstrickungen.

Uns wird die Zukunft dargestellt: Rollstühle, Rollatoren, kleine oder größere Teppichkantenstürze, Versorgungsproblemkreislaufzusammenbrüche, zu wenig getrunken oder/und gegessen.-

Mein Bedarf nach Mittelgebirgsreisen ist vorerst gestillt. Die Teppichkanten stehen schräg. Der ganze Whiskeylikör ist verschenkt.

Ich lese weiter im Buch über die Töchter der schwer geschädigten Crackmutter: „Wenn ihr uns findet“ von Emily Murdoch!

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