Und wann isch feddisch gebutzt habb, gugg isch fänsäh, was soll mer sonscht mache?

Sie war die ganze Zeit im Tulpenbeet auf den Knien gewesen, und jetzt versuchte sie aufzustehen. Langsam wird es lächerlich. Dieses Aufstehen. Ungelenk. Nicht, dass ich je gelenkig gewesen wäre, aber ich war nicht so schwerfällig. Sie legte sich auf dem nassen Rasen auf die Seite und grinste. Ihre Perlenkette war aufgegangen und lag im Tulpenbeet. …“Ich verlottere“, sagte sie zu den Perlen, die dicht vor ihrem Gesicht lagen. Sie sagte zu ihnen: „Ihr seid nicht meine berühmten Perlen, auch wenn er das nie bemerkt. Ihr seid meine Schandperlen. Was soll ich mit euch machen? Wer soll euch kriegen, wenn ich mal nicht mehr bin?“

„Niemand“, sagte sie und ließ sie in eins der Löcher gleiten, die sie für die Tulpenzwiebeln gemacht hatte.

(Jane Gardam, Ein untadeliger Mann, 2004)

Auf dem Kalenderblatt für die vergangene Woche im Aufbau-Literaturkalender 2018.

Nabelschau

„Ich gratuliere ihr, nächst einer Heirat ist es für ein junges Mädchen doch das schönste, dann und wann unglücklich zu lieben.

Es schenkt ihr eine Erinnerung und zeichnet sie in gewisser Weise unter ihren Freundinnen aus. Wann bist denn du an der Reihe?“

(Jane Austen. In: Stolz und Vorurteil)

Nougat

Bei ihm während einer Rumblätterstippvisite diesen feinen Satz gefunden: „Die Freunde und er selbst waren längst pensioniert; und lebten auf ländlichen Besitztümern, glücklich verehelicht, und von bereits erwachsenen Kindern umblüht.“ (Arno Schmidt „Sommermeteor“, 23 Kurzgeschichten. Fischer TB 1046 Frankfurt 1969)

Dieser Ausdruck „umblüht“ entzückt doch!

Und trifft, wie es gerade ist bei mir.

Das kleine Buch lege ich griffbereit an gewisse Schattenstellen, um noch mehr solcher Bezauberungen zu finden. Wobei sein Leben, und das seiner Frau Alice, von der kürzlich Tagebücher erschienen sind, so kaum bezaubernd war.

Wir bleiben alle Kinder

 

Und wird die Welt auch noch so alt,

der Mensch, er bleibt ein Kind!

Zerschlägt sein Spielzeug mit Gewalt,

wie eben Kinder sind!

 

Wann alles erst in klein zerstückt

und nichts mehr zu verderben,

so sucht er wieder – neu beglückt –

und spielt dann mit den Scherben!

 

(Carl Spitzweg – ja, er war auch Lyriker!)

Kuschelparty

Jeden Tag Gedichte lesen.

Ist doch wahr.

Anbei die Harmoniewünsche.

Ein Wirt im Nachbarort klagt, dass nach den Lachweinprobenplanwagenfahrten die Besoffenen ihm übers Mobiliar kotzen und seine Toiletten verdrecken, obwohl er nichts mit den Fahrten zu tun hat.

Was wollten sie es doch so nett haben.

Unterm Nussbaum hatten wir es nett, obwohl kein Harmonieschild angebracht war und von Nachmittagstalkshow bis hochbetagt aus jedem Publikum jemand herumschlenderte oder mit den Kindern spielte. Hund nass spritzen wurde von den einen angefeuert, von anderen empört kritisiert.

Keine Strickmuster wurden ausgetauscht, keine Ränke geschmiedet, so hoffe ich, lediglich Gelächter mit Feintortengoutierung und Seifenblasen im Hintergrund.

Großeltern, Urgroßeltern. Familiencoleur mit ohne seitlichem Gezwicke.

Schwierigkeiten. Nicht auf der ganzen Linie. Knallgurken platzten, niemand trug Strumpfhosen oder trank Bier. Man lächelte kenntnisreich über Billen des Lebens. Unbillen auch bisschen.

Beim Aufeinandertreffen von zwei Familiensträngen geschieht Anstrengendes. Man stolpert durchs Zwielicht.

Am Ende heben sich alle Vorhänge und es gibt ein großes Abschiedstrara.

ein verlogenes Miststück

Archive