sesshaft

Wenn man älter wird, hört man immer häufiger das Wörtchen „früher“, von sich selbst und von den Drumherummern. In meiner aktuellen Lektüre kommen Sachen vor, die wir früher auch gemacht und gesagt haben. Es geht um eine Paartherapie, und zwar um das Treffen davor. In einem Pub gegenüber des eigentlichen Handlungsortes. Ein Sätzchen zum Beispiel: „Du hast so dicke Eier, du dürftest eigentlich gar nicht mehr laufen können. Die müssen ja aussehen wie zwei …antike Globen.“

So viele Gänsefüßchen lange nicht in einem Text gesehen. Millionen Dialoge. Bis jetzt macht sich das Lesen sehr unterhaltsam. (Nick Hornby: Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst)

Wenn ich durchs Haus toben würde, auf der Holztreppe stampfen und tonnenlaut Stonesmusik dazu…

Wenn ich draußen jemand finden würde, zusammengebrochen oder verletzt, dürfte ich den anfassen, Erste Hilfe leisten…Mund-zu-Mund-Beatmung ginge doch nicht. Oder?

Verbannung

Rheinkadetten

Leichenwagenbremser,

Riemenstecher

und Sommerarchitekten –

Schneeschipper im August

rodelt mit Puppchen Suppengrün

auf dem Schnepfenstrich.

(V.O. Stomps, gefunden in: Die Meisengeige. Hrsg.: G.B. Fuchs, Fischer Bücherei Frankfurt August 1968)

Seltsame Spuren im Schnee, nicht Katze, nicht Marder, nicht Karnickel, als wäre etwas Größeres in heftigen Sprüngen im Hof herum…

Aus der Sonntagszeitung fällt ein vornehmer Flussreisenprospekt, Heidelberg vorne. Kann mir wer sagen, dass ich im April fein und frei auf luxuriös ausgestatteten Schiffen herumreisen „darf“. Da wird bis ins Detail geplant, nur ohne Flughafenbetretung.

Die Träume gingen grad noch. Sie handelten von verschlungenen Wegen und einer Schwägerin, die mir boshaft eine geblümte Jacke vor der Nase weg kaufte. Und diese Unsäglichwortezusammensetzsucht. Schamotteule und so.

Und ich lese über beste Mittel gegen „Verkniffenheit und Selbstauspeitschung“ hier:

vollschlank

Hier liegt ein derart schräg liebenswerter Atlas, dass ich zeitenweise immer nur drin blättern könnte. Die anderen Sachen sind die, dass bei Wikipedia lediglich zehn Prozent der Autoren weiblich sind. Also voll die Erkläronkellexikonseiten. Doch darum geht`s nicht, das war eine Bemerkung am Rande.

In besagtem Buch werden Orte beschrieben, wie zum Beispiel das „Kaffeehaus“, das ein Labor für Weltanschauungen sei, eine Keimzelle politischen Umbruchs, „Seine Bewohner sind größtenteils Leute, deren Menschenfeindlichkeit so heftig ist wie ihr Verlangen nach Menschen, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen.“ (Alfred Polgar zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts)

Ein auch noch guter, hier beschriebener Ort: der Wald: Von Dingen, „über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte“. Knusper, knusper, knäuschen…

Derart inspirierend, dass ich grad mal ein paar Worte drüber verlieren wollte!

Das großformatige Kaffeetischrumliegbuch: Atlas inspirierender Orte – von denen ich noch ein paar, längst nicht alle nenne:

Badewanne, Manhattan, Bibliothek, Hotel, Gefängnis, Fenster, Dachkammer…Einige davon kann man sogar in diesen Zeiten aufsuchen! –

sich tummeln

Wohlbefinden

Buchstabiertafel

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