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Nestwärme

Wenn keiner im Haus war außer mir, ging ich oft in sein Büro und machte alle Bleistifte kaputt.

Oder:

„Schweigen ist ein Talent in dieser Familie. …um dieses Schweigen zu verstehen, brachte ich mir eine Kartografie bei, machte mir Landkarten und Pläne im Kopf, für Großmutter, Mutter und Vater, um Blicke, Handbewegungen und Körperhaltungen zu deuten. “ (aus: Das Tortenprotokoll. Marianne Jungmaier. Kremayr & Scheriau. Wien 2015)

Sätze, irgendwo gelesen, setzen mein Erzählradrädchen in Schwung.

Wie die Rezepte gegen gewisse Leiden aus dem dicken, alten Brehms Tierleben:

Die Asche eines zu Pulver gebrannten Hundes dient gegen Augenleiden, und werden mit ihr die Augenbrauen gestrichen, so erhalten sie die schönste Schwärze.

Ein lebender Hund, bei Brustschmerzen aufgelegt, thut vortreffliche Dienste; wird er aufgeschnitten und einer schwermüthigen Frau auf den Kopf gebunden, so hilft er sicher gegen die Schwermuth. …

 

Wechselbalg

Überlegung

 

Eigentlich wollte ich dir den Faun

und den Wald mit dem Bussard vererben,

nicht nur den Stacheldrahtzaun

und das Fischesterben.

 

Eigentlich dachte ich, Frieden sei Glück

und nicht bloß eine Vokabel.

Doch immer kehren die Tauben zurück

ohne den Ölzweig im Schnabel.

 

Vielleicht ist der Ölbaum schon umgehaun,

da machen Worte nichts besser.

Auch die Brücken, die wir aus Worten baun,

gehn über totes Gewässer.

 

Jetzt klagen mich deine Augen an

und wollen mir nicht vergeben.

Vielleicht hab ich doch nicht genug getan

für das Leben.

 

(Dagmar Nick. In: Der Ewige Brunnen. Ein Hausbuch Deutscher Dichtung. Gesammelt und herausgegeben von Ludwig Reiners. C.H.Beck München 1955 und 2005)

aufblühen

Exzentriker

Im Edelmagazin einer Weltweittageszeitung las ich gestern, dass allein die Frage, wer noch Blogs lese, altväterlich wirke. Mir egal, es treibt zum Schreiben, dass da welche lesen und mehr oder weniger verschämt kommentieren. Oder ich denke mir, was die und der so beim Lesen denken könnten. Längst nicht alles kommt aufs Tapet, denn über ständiges Bratkartoffelessen, Bratheringe in Dosen oder verlorene Unterhosen, geht nicht permanent; über den letzten Schlaf oder wie der Enkel mit der ganzen Seife meinen Badezimmerspiegel erst einschmiert, dann stolz sauberwischt, so mit voll ausholenden Bewegungen, oder welche Ängste jemand vorm Vergreisen entwickelt, weil ihm ein Tröpfchen Eigelb auf den Markenpulli schmodderte, oder wie eine gepflegte Vorruheständlerin in Ermangelung einer anständigen Klagemauer mich mitleidslos circa sechzig Male von ihrem fiesen Ex träumen lässt, och nä.

Hier las ich von einem, der doch tatsächlich einen einwöchigen VHS-Kurs zum Thema Bloggen besuchte:

https://schreibenwaermt.wordpress.com/2019/01/12/gedankensalat-im-vhs-kurs/

Die letzten Worte dort nahm ich als Überschrift (in der Hoffnung, es nicht verboten zu kriegen!)

Zum Thema Alter hier noch was nicht Vergreisendes:

http://be-bolder.com/

 

 

Ratte

Aus dem Sprechzimmer meiner früheren Klagemauerfrau tänzelte eine ältere Dame, so an die siebzig, mit Glanzaugen, und wie gepflegt und Wert auf sich legend sie aussah. Ich staunte, weil ich dachte, Menschen in dem Alter seien fertig mit der Welt.-

Das neue Buch der Gräfin Schönfeldt hat den bezaubernden Titel „Kochbuch für die kleine, alte Frau“ – ob ich es der Maifreundin schenke? Ohne ein vierzehnjähriges Beleidigtsein zu riskieren? Ihre Altersmilde könnte das verhindern.

Der Enkel sagt zu einem kleinen Freund: Du, guck mal, wie lang meine Oma ist.

Und daheim lobt er mit vielen Worten meinen neuen Klodeckelbezug.

Und frühmorgens fehlen die Eltern besonders, meine. Vielleicht gehe ich auch mal wieder zur Klagemauer…

P.S.: Wofür hat man Freunde

Durchgangszimmer

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