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Klette

Kohlepapier

Kaum gestern die Beschwerde, dass mich niemand was fragt,  kam noch am Abend eine Elektrobriefanfrage einer Quasiefamilienangehörigen, die nicht hier liest. Zwei Fragen intimer Natur über mein Verhältnis zur Mutter. Mein Staunen vermehrte die äußere Hitze bis unter die Salztrockenhaut der älteren Frau, die eine Mädchenmutter hatte. Die endete zwar nicht in dunklen Kellerräumen wie Kohls Hannelore, wohl aber in der gleichen Stadt.

Auf die Fragen der Quasischwester will ich noch nicht eingehen, es werden eingehende Überlegungen in die Brutstätte gegeben. John Updike fällt mir ein. Warum jetzt. Weg damit, oder doch nicht. Alle Gedanken sind wichtig. Nur ich bin es nicht, wurde einem ja quasi eingeprügelt.

Anderes Thema: Aus unserem zufällig gefundenen Tiefbrunnen holen wir 10 Grad kaltes klares Wasser, das aber hochgradig nitratverseucht ist.

In den Wald will ich nicht gehen, er könnte wegen eines Irgendwas plötzlich zu brennen anfangen. Wohin dann rennen.

Wohin überhaupt?

Abklang

 

Ein wenig stirbt man Tag für Tag und faßt es nicht

wie etwas weitergeht und ist vorbei

und wie ein Tag verrinnt in seine Nacht

und aufersteht ein fremdes Einerlei

und schwer erträglich ist wie Stunden fallen

im Puls der Stille kommen und vergehen

und wie Geburt und Tod ist Gegenwart

und ganz alltäglich Schritte die verhallen

indessen innen noch Knospen stehn und Neues harrt

 

(Norbert Elias. In: Altershalber. Gedichte aus acht Jahrhunderten. Hrsg.: Helmut Zwanger und Henriette Herwig. Klöpfer & Meyer Tübingen 2015)

2CV – „Ente“

Bei Hitze dösige Gedankenausbrüterei. Ich möchte viele Dinge gefragt werden. Niemand tut es. Keiner kennt die Fragen. Sie purzeln aus der Bruthöhle.

Meine Wäscheklammern aus Holz haben ihre Schülernamen verloren. Die standen noch, mit Fettedding in Druckschrift drauf: Sascha, Steffie, Jana, Tobias und Tizian.

Meine Brüterei will wissen, wieso manche Menschen aus meinem Blickfeld verschwinden. Einfach so, ohne Erklärungen. Konsequent in ihrer Nichtmehrkontaktaufnahme. Wie die Wäscheklammeraufschriften, einfach weg.

Brüten will ich nicht über Documantasachen, über Skulpturen und ihre Drumrumläufer. Schon damals, bei der Ansicht der Monochrommalerei, kamen Zweifel auf, wo die Kunst aufhört, der Wahnsinn beginnt. Das wilde Schillern in den Augen der Sichfüreingeniehalter. Aus den Augen tropft Wüstenhonig, aus den Ohren pustet wer so manche Fälschungslava.

Brunstgedöns am Ballermann, wie eklig, kaum noch menschlich. Wo sollte der Jona im Walfischbauch nochmal hin und wichtige Botschaften überbringen?

Der Besuchsmann gestern besah sich die Änderungen im Außen, die es im Verlauf der letzten Jahre hier gab. Anerkennend benickte er die neue Ordnung in der alten Scheune, fragte, warum in die olle Ecke ein Carport käme und kein Auferstehhühnerstall. Ach ja, ein Nachrichtenpunkt gestern war, dass ein Rentner im Sekundenschlaf über einen Zaun fegte und fünfzehn Hühner in ihrem Stall überfuhr. Diese hatten noch nicht mal Zeit zu staunen.

Unser alter Freund streichelt Katzen, ist von alten Autos entzückt, schreibt Gedichte über das richtige Zuhausesein in der Welt, fährt Gefahrgut herum, hat letzthin auf einem großen Segelboot gekocht, kurz, er wird in seinem Innen kaum älter. Wichtig für mich, dass er kein Fähnlein im Winde ist. Wofür man mitunter Prügel bezieht und aneckt auf jeden Fall.

Dem dreijährigen Enkel stellte ich in der Mittagshitze dämliche Fragen. Was er denn werden wolle später, Pilot, Bäcker oder Rennfahrer. Er: nix, ich will groß werden!

Sie hat auch Schönes zu erzählen: http://www.charmingquark.de

Pietistenwalzer

 

Nun stimmet die Harfen und salbet die Geigen

Und gebt euch die Händlein zum himmlischen Reigen,

Ein Weiblein, ein Männlein,

Ein Hühnlein, ein Hähnlein,

Je zwei und zwei, wie sichs am besten schickt

Und man sich am frömmsten zu Herzen drückt.

 

Sind alle da? Ei, so verschließet den Himmel,

Laßt draußen das sündige Pack und Gewimmel,

Verberget die Kniffe,

Die lüsternen Griffe,

Wir haben den Geist uns zum Fleische gemacht

Und feiern subtil die urewige Nacht!

 

Zu wecken die schlaffen, wollüstigen Gluten,

Bestreicht uns der Satan den Hintern mit Ruten;

Die heilige Völle

durchwürze die Hölle!

Nun löschet die Lichter von ungefähr;

Das Töchterlein tanzt mit dem Missionär!

 

O süßliches Grunzen, o seliges Dunkel,

Begehrliches Suchen und tappend Gemunkel!

Mich fasset ein Schwindel!

Bacchantisch Gesindel!

O heilige, himmlische Windbeutelei –

Hinschmelz ich und sied ich im seligsten Brei!

 

(Gottfried Keller. In: Lyrische Parodien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Ausgewählt von Erwin Rotermund. VMA-Verlag Wiesbaden 1978)

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Keller

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