You are currently browsing the category archive for the ‘Uncategorized’ category.

Scheidungskinder

Sie kam durch einen Schwebelufttunnel und hustete sich fast die Seele aus dem Leib. Später saßen wir auf der Waldbank neben berstenden Ginstersträuchern.

Täglich ein Bauernhofei, weich gekocht bitte. Die demente Anverwandte zaubert gekonnt Seltsamworte aus ihren Traumkämmerchen, verschiebt ihre ernsten Wangen zu langsam ausuferndem Lauthalsgelächter. Alle lachen nach ein wenig Nachmittagsgesöff. Vergißmeinnicht und Jelängerjeliebermongolchen. Alraunen und versteckte Weiher der Gedankenwäldlerinnen. Im Schäferschäfchenlokal wallen Dirndltatoomädchen. Sie kichern und servieren wilde Ragouts.

Das Hochsauerland entbaumt durch Monokultur und neumodische Umweltschreckstarkereignisse. Regenfäden füllen Mäanderbäche prächtig auf und auf.

Im Frauennählädchen erwerbe ich ein Mischwaldkissen, im öffentlichen Bücherschrank wilde Literatur, viel aus jüdisch-griechischem Schauspielerinnenleben, mit Partisanenhintergrund und Doppellebenelternzagrebleuten.

Das Heimkommen gestaltete sich wundertränenzärtlich.

Vorgezogene Tomaten und Zuccini wollen schnell in Tröge und Gartenwühlerde, in der wir gestern ein kleines Hanfblättchenringelchen fanden.

Nun beginnen die Vermutungen. –

„Duft ist nicht so beherzt wie Klang. Er bleibt näher am Haus, hängt dort aber auch so dicht wie Nebel. Nachher wird der ganze Garten in kleine Dufträume unterteilt sein, von schwer bis leicht, von betäubend bis belebend. Der Mensch riecht weniger, als er sieht, daher gibt es zu wenig Namen für Düfte. “

(Helene Nolthenius)

Über diese Dame steht hier:

Helene Nolthenius, 1920 in Amsterdam geboren, studierte Musikwissenschaft und Kunstgeschichte und begann erst in der zweiten Lebenshälfte mit dem literarischen Schreiben. In ihrem Roman „Die abgewandte Stadt“ erzählt sie eine Geschichte über eine alternde Frau und das Alter an sich: Schauplatz ist ein kleines Landgut in Gharna, an der Grenze zu Indien. Dort lebt die Journalistin Grace Borne, die alle nur „M´Edda von Gharna“, die Verwirrte, die Fremde von Gharna, nennen.

All das über einem schönen Foto von Helene Nolthenius auf der Seite 22. bis 28. April im Arche Literaturkalender 2019

Pfanniknödel

Wandbehang

Tal

Krankheitsgewinn

frigide

Beim Frisör saß er, der alte Mann in Jeans und Pulli. Eine Kopfmassage, ansonsten siehe Überschrift.

Draußen sah man den Pinscher kacken, sein Herrchen nestelte sofort das Aufsammeltütchen aus der Tasche, weiters blieb das Geschehen unverfolgt, denn bevor die Schnitthärchen mir in die Augen stoben, klappte ich sie lieber zu. Im Kaffeehaus saß die entfernte Bekannte, las die Zeitung und hatte das Therapiezeugs vergessen. Damals, als sie einwilligte, aufs Engste mit ihrem Angetrauten verbunden zu werden, dicht auf dicht, mit Kabelbinder, vorerst unauflöslich. Es gab ein Riesengeschrei von ihrer Seite, er blieb stumm und rümpfte die Nase, die markante, die griechisch-ungarisch vollkommene.

Käsesahne mit reingeknallten vollreifen Erdbeeren, der Sohn verspeiste einen Hirtenbagel, von einem allerliebsten Mann aus Afghanistan serviert. Draußen gingen die aus der Anstalt und die aus Somalia vorbei. Buntes Treiben. Die Volldialektgroßmutter parlierte schon wieder übers Fenster putzen, der Pausenchirurg aus der Kleinklinik notierte Termine und /oder frische OP-Ideen.

Bioladen, Buchhandlung, Papeterie. Nur alle sechs Wochen. Die Streifennachthemdchen vorm Sanitätshaus flattern fein im Wind, und beim Besuch der Mühlenfreundin werfen Enkel trubelig ihre Lieblingsdinge durch die Luft, hämmern auf die Afrikatrommeln, so, dass ich mich sehr bald verabschiede.

Über Land kurven, ganz ohne plötzlich auftauchende Aufblenddrängelkerle – blühende Hügelchen, was war das schön!

Session

Archive