You are currently browsing the category archive for the ‘Uncategorized’ category.

Aufnahmeprüfung

Im toten Winkel spielt der Wind. Das große Klingen in dir selbst. Bücher dieser Sorte fliegen raus. Eine anspruchsvolle, meinen Ansprüchen genügende Büchersammlung soll es werden. Auch die enormen Mengen von Notizbüchern und Zettelblöcken soll weniger werden. Ich könnte Briefe schreiben mit je einem Wort auf je einem Zettel. Der Empfänger würde sich durchstapeln müssen.

Oder auf jeden der tausendfünfhundert quadratischen Notizblätter eine Zeichnung und damit tapezieren. Oder lauter kleine rote Herzchen draus fertigen und auf den Kompost damit, an Fasching auf die Straße oder als Beiwerk in die Badewanne. Auf jedes Blatt ein Skelettchen stempeln, vorher aus einer braven Kartoffel geschnitzt.

Dass ich eine Zettelwirtschaft betriebe, wurde mir im Beruf vorgeworfen, nix Kriminelles, also noch leidenschaftlicher weitergemacht. Bei einem Fetthaarkunstlehrer wäre das eine goldige Sache gewesen. Es kommt immer drauf an.

In den Träumen geht es mit den Gutshofkacheln und den zierlichen Jugendstilzigarettenspitzenmadames weiter. Manche haben nässende Pickel, manche erzählen von einem Tiger-Schneebesen-Traum.-(Video s. Kommentarfunktion)

Gekritzel auf der Rückseite eines Reisepasses

 

Man ward mit keinem Paß geboren.

Die Sprache lernte man als Kind.

Am Ende ging der Sinn verloren

Der Worte, die gebräuchlich sind.

 

Was Heimat heißt, nun heißt es Hölle,

Der man zur rechten Zeit entkam.

Und neue Grenzen, neue Zölle,

Doch selten wo ein wenig Scham.

 

Das sind die Orte und die Zeiten.

Einst war man jung, nun wird man alt.

Doch immerzu muß man bestreiten

Die Reise und den Aufenthalt.

 

Das sind die Völker und die Reiche.

Man wandert aus und wandert ein.

Doch überall ist es das gleiche:

Die Hirne Wachs, die Herzen Stein.

 

(Berthold Viertel. In: Der neue Conrady. Das große deutsche Gedichtbuch. Hrsg.: Karl Otto Conrady. Artemis & Winkler Düsseldorf und Zürich 2000)

anspruchsvoll

Gibt es mit spitzer Tastatur geschriebene glossige Texte?

Ein früher Altweibersommer will, dass ich auf Wiesen renne, tobe, mich rolle, meinen fliegenden Handtüchern oder dem Enkel nachhechte im erdigen Licht.

Die Tochter meinte, in Atlanta sei es gestern nicht ganz dunkel geworden während der Eclipse, wie sie die Sonnenfinsternis nennen.

Mir träumte letzte Nacht, einer aus meiner Blogroll (Emil) wäre zu Besuch und würde stundenlang die Badewanne besetzt halten, gemütlich mit Hut und Wasserblümchen darin ruhen.

Eine Freundin berichtet, ihr Sohn habe an seinem Geburtstag zwei glatzköpfige Securityhünen beauftragt, nur geladene Gäste reinzulassen. Darüber hat ein alter Herr sich mokiert und sich geweigert, dort reinzugehen. Ihm von früher bekannte Schleichwege nutzte er, um zur alten Freundin zu gelangen und traurig zu schimpfen.

Ich freue mich auf das Kloster Maulbronn und auf Marbach, wo man bei über 25 Grad keinen Museumseintritt zahlen muss.

 

 

 

Wo aber fliegen die Abendvögel hin?

 

Die Tauben schlummern im Hause:

Wo aber fliegen die Abendvögel hin?

Der Wasserfall dämpft sein Gebrause:

Wo aber rinnen die Bäche hin?

Friedlich wurzelt der Rauch auf den Dächern:

Wo aber strömt das Nachtgewölk hin?

Lichter stehen in tausend Gemächern:

Wo aber sinken die Sterne hin?

Immer indem wir liegen und schlafen

Lösen sich Schiffe dunkel vom Hafen.

 

(Albin Zollinger)

Wohnzimmer

Du gehst in einer Stadt oder in einem ländlichen Wohngebiet spazieren. An einem Haus geht der Türsummer. Geh einfach mal rein…

Ob ich denn noch Briefumschläge mit meiner Ommatantenhandschrift drauf versende…In der letzten Zeit verschwanden zwei, dabei war gar kein Ommatantengeldscheinchen drin, sondern echt Geschriebenes auf einer Karte oder Zeitungssachen.- Es gibt wohl Menschen bei der Post, die sich vergreifen. Einmal hatte ich einen extra Glitzerbriefbogen genommen – auch weg.

Gejammers hilft nix.

Vielleicht in Zukunft solche Umschläge aus hübschen Stöffelchen nähen (wie bei „Seelenruhig“ gesehen) und diese in braune Gleichgültigkeitsversandtaschen stecken.

Halten Sie doch noch aus

Regen bewegt Sie

Gras richtet noch auf

unter dem Licht im August

gehn Sie leicht

vielleicht im September

 

November

an Nebelrändern

im ölgetränkten Blau der Straße

der Wiederschein von Wolken

Erlkönigs Mantelsaum

 

bald schon Dezemberverführung

klirrende Wollust

auf Schneeschuhn kam der halbe Tag

 

(Diana Kempff. In: August. Gedichte. Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell. Reclam Stuttgart 2014)

Archive