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Almosen

Ungewöhnliche Schreibuntergründe schnappe ich mir gern. Genau wie die Großmutter, von der ich einst las. Sie ließ die Enkelin Nudelkartons so zurechtschneiden, dass man sie als Notiz- oder Einkaufszettel nutzen konnte.

Künstler haben auf Tischdecken, Bierdeckel, Quittungen und Servietten ihre Dinger gekritzelt. Man schaue sich die Kleinstschrifttagebücher von z.B. Benjamin und Handke in Marbach an, oder auch nur die von Opa Alfred, der Frau und Töchter verhaute, aber echt gut schreiben konnte.

Gestern kamen zwei Suppipostkarten von Damen, die hier kommentieren manchmal. Auf der einen vorne ist der riesige über dem Meer schwebende Felsen von Magritte, „Le cháteau des Pyrenées“ drauf, auf der anderen ein lockeres Pärchen, sie sitzt lesend mit einer Tasse Tee im Lehnsessel, wohinter er steht und fragt, ob er ihr mal `ne Buchstabensuppe kochen soll. – Was für eine Freude, nein zwei Freudmomente, ich könnte hier hundertsiebzehn Ausrufezeichen machen!

Eine Freude für meine Ohren waren die Möwenschreie durchs Telefon beim Bestellvorgang einer Bettwurst bei meiner geliebten Samtvorhangsfabrik vossberg.de!

Draußen locken Frühlingslüfte. Die Vogelwelt, so noch vorhanden, in hellem Aufruhr. Also mal raustreten, mit heißem Tee, ganz ohne Buchstabensuppe!

Promenadenmischung

Es freut mich sehr, Frau Mandarin wiedergefunden zu haben! Wie sie da steht und strahlt: wunderbar!

Auch „xenania“ ist wieder da.

Eine Ausstellung gibt es zum Thema „Freundschaft“, hier die feine Netzseite dazu:

https://www.freundschaft-ausstellung.de/

Eine suchte sich im Netz eine „Tochter“, ein anderer fand eine Seelenfreundin. Hobbyknabenteiler gibt es und auch echte Starkommentatoren der zeitweisen Sorte.

Strickmädchen und Hanfseilflechter, Büroklammeräffchen, Totesmeerbeschwimmschweber, salzpaniert. Man findet alles.

Ein wenig durch den Schneeglöckchennarzissengarten gehen, tief einatmen, dabei die Maiglöckchen rausspitzen sehen und begrüßen, umtopfen, pflanzen. Ach, wie haben die das nochmal mit dem großen Kaktus gemacht: mittels oller Styroporplatten seitlich hochheben und versetzen in die neue Töpferei.

Was noch: diesem quersinnigen Buchtitel nachgehen: Kunstgeschichte als Brotbelag. Man lässt sich was einfallen!

Doppelkinn

Lädierter Lattenrost

 

Ludwig liebte Lottes Lüsternheit,

Lockender Locken Liebenswürdigkeit.

Lotte liebte Ludwig leichtberitten.

Ludwigs Lagerstättes Latten litten.

Lottes lebensfrohe Liebeslust

Lädierte leider Ludwigs Lattenrost.

Lottes liebster Ludwig lachte lediglich.

Lädierte Latten? Lamentieren? Lächerlich.

Liebkoste lieber Lottes Leberflecken,

Liebte lückenloses Lendenlecken.

Lothar leimte Ludwigs Lattenrost lattenweise.

Lotte leckte lieber Ludwigs Latte leise.

 

(Alex Dreppec. In: Hell und Schnell. 555 komische Gedichte aus 5 Jahrhunderten. Hrsg.: Robert Gernhardt und Klaus Cäsar Zehrer. Fischer Taschenbuchverlag Frankfurt am Main 2006)

Spanische Wand

Unterwegs heute: sehe ich derartige wilde Wolkenformationen, denke ich, dass die Erde so tut, als wäre sie allein auf der Welt und unbewohnt. Die Sonne strahlt von blauestem Himmel, was da angeweht kommt, prasselt kurzzeitig alles leicht weißgraupelig. Schnellstens die Einkäufe ins Auto werfen, die Briefumschläge, Haferflocken, das Chailattepulver, die beiden Bücher sind noch beplastikt, da isses egal, die paar fetten Tropfen.

Welche Bücher:

„Face to Face“ – von einem, der sich ins Gespräch begab mit zahlreichen Schreibenden

„Heimat“ – eine Art Familienalbum (Nora Krug), besonders schön anzuschauen …

Später in der windstillen Gartenecke stehen, das Gesicht in die Sonne, kurz nur, aber immerhin, die Katze streicheln, das Eichhorn flitzen sehen. Dann kommt die junge Nordafrikanerin an die Tür und fragt nach ihrer Post.

Dann überlege ich, wieso mein Vater mich früher zu den Ursulinen geben wollte. Brücken schlagen ins Heute. Geht nicht, es würden nur unnötig fetzige Ideencollagen entstehn, wobei der Aufnahmetest für ein Ursulinenaugustinum nicht zum Tragen käme.

Frühling soll kommen. Das wird was!

Vokabelheft

Ob ich wohl alle Konzerte, die ich im Laufe des Lebens besuchte, aufzählen kann:

Rolling Stones (Mannheim, Eisstadion)

Ravi Shankar (London, vor Langeweile frühzeitig verlassen)

Hugo von Goisern, einmal in LU, einmal in MZ

Udo Jürgens in LU

Ludwig Hirsch im Mainzer Unterhaus, anfangs hätte man können eine Stecknadel fallen hören, einzelne Freudenschluchzer

Gianna Nanini

Die Misfits

Sissy Perlinger, Mainz, Frankfurter Hof

Jan Gabarek in einer Kirche in Mainz

Wader und Wecker, Mainz, Zitadelle

Leonard Cohen, Messehalle Frankfurt, da war er schon alt, hupfte aber noch und kniete und zog den Hut, beeindruckend!

Bob Dylan, Worms hinterm Dom, der hat keine Miene verzogen, starr gegen das Publikum

Ann Sophie Mutter, Benefizkonzert Worms

Joy Fleming, ganz früher, Silvesterball Mannheim Theater

Marla Glen, früher Zeltfestival Mainz – sie wohnt jetzt in Oppenheim, na sowas

Hypnoseshow in Toronto, die ersten Reihen kippten einfach um

Schuhplattler, wie lustig, damals in Österreich

Jazzclub in Prag, Cave in Heidelberg, Garagenblues in Houston, dörfliches Gekreisch in Netphen, Schottenschreie in Edinburgh …

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