Durchgangszimmer

So manches schöne Cafe ist weg, nix mehr Hintz und Kuntz, nur noch Schafheutle und so. Das Leute gucken, die maskiert rumlaufen, was soll das. Eher schaut man Filme über schräge Wunderbarlehrer oder über russische Garagenvölker. Kaffee oder einen feinen Tee kann man gut daheim genießen, sogar mit selbstgebastelten Geprächspartnern oder der Nachbarin, die Marmorkuchen und knurzelige Steingewächse mitbringt.

Die Schwalben bleiben überraschend lange in diesem Jahr!

Ich freue mich schon auf die Lesung täglich beim Sender HR2: Ab kommenden Montag das Buch „Der Silberfuchs meiner Mutter“, ja.-

Summerhill

Die Unterhaltungen über den Lebenssinn nehmen überhand mal wieder. Du deinen, ich meinen. Mein schreibender Urgroßvater muss es gewusst haben, deshalb suche ich im schwarzen Kastenköfferchen in seinen Manuskripten herum. Demnächst. Die Sinnfrage kann prokrastiniert werden, nicht das Aufwischen der Kleckermarmelade.

Ich erinnere mich an die Kollegin, die aus einem Klassenraum gerannt kam, hochaufgelöst heulend. Die Schüler wüssten doch genau über ihre Grünkreidenallergie Bescheid und hätten trotzdem die ganze Tafel , auf der sie grad ihr Weißkreidenbild über Stefan Zweigs Sternstunden vorbereiten wollte, grün angemalt.

Oder ich denke an die junge Seiteneinsteigerin, die aus der Gastronomie kam, und der geraten wurde, ihr hohes Servicestimmchen sofort tiefer zu legen. Ist aber auch ein harter Schritt, von der Rezeption eines feinen Hotels in eine Siebtwildklasse.

Und der momentane Starliteraturkritiker tut etwas Merkwürdiges: Er zerreißt das neue Buch von Herrn Kerkeling, wirft es aber nicht in die dafür vorgesehene Tonne. Ich lege auch schon mal etwas ganz woanders hin!

Schreiben über nichts. Angesichts der Lagen und Notlagen habe ich mein Rosendufttagebuch weggeschmissen, nun kommt das Kukidentheftchen dran.

Gezeiten

Nähme ich mir vor, jeden Tag hier was zu schreiben außer diesem Wort des Tages, käme mitunter Ungehobeltes oder Unartiges dabei heraus. Worauf manche beinahe zu warten scheinen, so Schlagerfuzzis, Literaturhechte oder Chanelkostümchentanten. Quatsch, niemand wartet. Die Wanderdamen vom Wasserfallverein, die Neuweintrinkerinnen und Kampfbienenfänger auch nicht.

Biologen tragen neu und wieder anzusiedelnde Bartgeier hoch ins Gebirge, eine stürzt mit ihrem Motorrad in die Büsche des Highway Number One, führt mich trotz verletzten Arms ins Henry Miller Museum in Big Sur. Es ist eine Art Holzhütte überm Ozean mit lauter Millerzeugs, wenig repräsentativ. Das hatte ich mir anders vorgestellt, monströs und millerheftig.-

Man meint, kaum was zu erleben, man meint, viel zu wenig Zeit zu haben, um alles im Leben richtig an- und auszudenken, doch siehe da: Ach komm, verweile doch…

Jaguar

Frollein, vielleicht etwas weniger sich durch die Urlaubsberichte irgendwelcher Leute fräsen, weniger Traumheulerei, spielerischer das Restleben angehen. Die Stunden vor den Spiegeln auf Sekunden reduzieren, was sollen Lidschatten und Nasengepudere in diesen Zeiten, höchstens ein chinalackrotes schmales Tuch übers schwarze Gewand. Der Kontrast wirkt aufregend und nun zeichnen wir das wunderfeine Habichtskraut und quellig vorsprudelndes Wässerchen.

Diese Tage erinnern mich an frühere Pflaumenkuchengelage mit Wespenansturm und Sahnestippchen. Mit Zuckerzange leicht knirschend die braunen Würfel aus dem Porzellandeckeldöschen heben, zum Kaffee geben oder überm Kuchen zerbröseln. Lachen und erzählen von Gatteneigenarten, die Damen kreischen beinahe gefährlich proseccofüllig sprudelnd auf.

So war das -und ach, der wilde Wein beginnt mit Farbe zeigen!

Schnorrer

Angeberische Listen der aktuellen Lektüre mache ich nur zu gern. Die Schüler, die mich früher ab und an besuchten, die Regalwände und Stapel überall im Haus bestaunten und raunten: Alle gelesen?

Natürlich nicht, es mussten ja Windeln gewaschen, Einkaufszettel geschrieben und Brote geschmiert werden. Ein sich ständig Sorgen gab es nicht, wohl aber großes, wildes Gelächter zu passenden und Ebennichtgelegenheiten.

Also: Derzeit sind es Spätsommergedichte, Legokataloge, Julia Onkens „Klassentreffen“, das sich recht unterhaltsam darbietet. Ins Auge zu fassen liegen bereit:

Eva Demski „Neue Gartengeschichten“

Sasha Filipenko „Rote Kreuze“

Matthias Nawrat „Reise nach Maine“,

demnächst dazu kommen sollen:

Rüdiger Safranski „Einzeln sein“

und ein paar Bücher von Ortheils Ferienbuchliste (siehe Blogroll).

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