Weißer Flieder

 

Der Mai wirft die Spötter vom Zaun,

Nicht dürfen sie die Charitinnen schaun,

Die weißen im laubigen Flieder.

 

Nachts ruhn sie im Duft ihrer Glieder,

Wo Regenschauer das Auf und Nieder

Zart atmender Brüste betaun.

 

Silberäugig sie heben die Lider

Auf zu der Götter Vertraun.

 

(Georg von der Vring. In: Die vier Jahreszeiten. Gedichte. Hrsg. Eckart Kleßmann. Reclam Stuttgart 1991)

Tabernakel

Vom Glück, dass einen nicht jedermann jederzeit sehen kann

 

Manchmal bin ich in Gedanken

ein entsetzlich wildes Biest,

scharfe Zähne, große Pranken,

freu dich, dass du mich nicht siehst.

 

(Johannes Hans A. Nikel. Aus: Sag mir, wie lange wirst du mich lieben? Geschichten, die der Mond erzählt. Lappan Oldenburg 2002)

Tumult

Maigewitter

 

Wie lieb` ich dich, o Maigewitter,

Wenn durch den blauen Wolkenspalt

Wie scherzend unter Blitzgezitter

Der erste Lenzesdonner hallt!

 

Das ist ein Rollen, Knattern, Splittern!

Nun spritzt der Regen, Staub fliegt auf;

Der Gräser Regenperlen zittern,

Und goldig flirrt die Sonne drauf.

 

Vom Berge schnellt der Bach hernieder,

Es singt der grünbelaubte Hain,

Und Bachsturz, Hainlaub, Vogellieder,

sie stimmen in den Donner ein…

 

Hat Hebe in dem Göttersaale,

nachdem sie Jovis Aar getränkt,

Die donnerschäumend volle Schale

Mutwillig erdenwärts gesenkt?

 

(Fjodor Tjutschew)

Wenn der erste Satz eines Buches lautet: “Ich suche einen guten Ort, um zu weinen.”, dann will ich es lesen. Obwohl die Frau, die natürlich ihre Vergangenheit hinter sich lassen will, an diesem Ort vorerst nicht ankommt, gestaltet sich das zu lesende abenteuerlich. Bei einem Unwetter aufgelesen von einem jungen Paar, lebt sie erstmal eine Weile bei diesen unkomplizierten Leuten im kleinen Haus mit. Hier treffen sich ab und an noch andere Intensivmenschen. Also weiterlesen. (“Färseninsel” von Helle Helle. Dörlemann Zürich 2015)

Sehe sich entwickelnde “Verhältnisse” um mich herum und mache mir Gedanken in Richtung dieses irgendwo gelesenen Satzes: Wenn ältere Männer schwer erkranken, können sie sich darauf verlassen, dass ihr Frau sie nicht im Stich lässt.

Umgekehrt?

filigran

Hier gibt es voll coole Experimente der kunstzauberischen Sorte: http://www.sylviahagenbach.de

Und Nietzsche meinte mal über einen unfreiwilligen Verführer:

Er schoß ein leeres Wort zum Zeitvertreib ins Blaue und doch fiel darob ein Weib.

Heidelberg

Abenteurer um mich rum, lauthals ihre Freizeit ausübende, fette Tiefsoundmotorräder, Cabriopalastwagen fahren gediegen vorbei, und heute früh quaken Radiokerle immer noch vom denkwürdigsten aller ACDC-Kreischkonzerte mit Hipfeuerwerk. Ich möchte das nicht hören, also Stille, und ans Beziehen der Betten denken und wie sehr ich zuzuknöpfende Bettwäsche mag und keine mit großen Mohnblumen; nur so bisschen Knaststreifen können drauf sein. Hat man gestern Abend TTT geschaut, hat man Furchtbares mit in die Nacht genommen. Ein wenig Nichtnachtssosendungen- Gucknacherziehung sollte ich mir angedeihen lassen. Will ich doch am Frischmorgen mit einem traumverdienten Lächeln aufwachen. Stand ja auch so in meiner Ruhestandsurkunde: ich solle mein Erdientes genießen! Hach, und was habe ich gedient und immerzu JA gesagt. Aber ich will am Montag nicht vom Dienstag erzählen. -Gestern war hier “Tag der Offenen Gärten” – immer ist irgendein Tag. Wunderlich fand ich den Pyama-Day. Als meine Tochter aus Buffalo anrief und erzählte, dass sie heute alle im Schlafanzug in die Schule kommen sollten.

Dabei hatte sie das als Kindergartenkind schon erledigt. Damals wollte sie partout im Nachtkleid dorthin. Wegen gemeinsamer Aufsässigkeiten durfte sie eh nicht mehr in die Spatzengruppe, wo die oberfreche Freundin war. Die Kindergartentante mit den abgestorbenen Blaufingern war da streng. Heute lachen die Karrieremädels drüber.

Der Enkel kämpfte gestern wild mit einer dünnen Holzlatte, die im gern begangenen Hänger lag. Immer wieder raus damit, vorher tüchtig aufgestampft. Später leere Streifschneckenhäuschen ins Vogelbad befördert. Uih, fast ein Zartschneckenjacuzzi- noch paar Weißkieselchen dazu bis zur Überlaufkante. Dann die Tauben auf dem Scheunendach anschimpfen und das olle, versehentlich gekaufte Porzellanhuhn auf der Wiese wälzen mit verzücktem Krähgekreisch.

Gediegen sitzen und mit Abspreizfinger Kaffee trinken ist unmöglich geworden. Ein Glück ist das.

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