„Es war erstaunlich, wie hartnäckig, wie unerschütterlich man versuchte, ein normales Leben zu führen.“

(Aus „Die Memoiren einer Überlebenden“ von Doris Lessing)

Dazu Gedanken aus der Alltagshitze, Gedanken, wieso die Schulkinder mit Maskenpflicht bei weit über dreißig Grad nicht reihenweise kollabieren. Die Lehrer müssen laut reden, tief atmen, jaja.

Diese eindringlich anrührende Szene gelesen, wo ein einfacher Bäckerlehrling per Uniform zum gemeinen Nazikerl mutiert und ein vierjähriges Mädchen nicht versteht, dass er ihr sorgfältig gehütetes Puppengeschirr sehen will, sie es ihm willig und stolz zeigt, und er dann jedes einzelne Teil aufs Straßenpflaster fallen lässt. Dabei mit seinen perfiden neuen Freunden gräßlich lacht. (Erzählung „Vom Schweigen und vom Licht“, Carin Abicht).

Ein entfernter Cousin träumt jede Nacht, dass er mit Elefanten baden geht.

leutselig

So manche hat diese Klageweibsattitüden. Immer nur Opferzeugs. Innovationen werden hartnäckig brüskiert.

Du knorrige Wandertante, schreib doch einfach, was dir in den Duttchenkopf kommt.

Lange nicht in einer unerquicklichen Lage dem Desaster gefrönt, eher Korkeichenlocken geföhnt.

Warum magst du nicht dekorative Scheingruppensteinchen anmalen, so mit Sönnchen, Herzchen, Kätzchen. Die Farben bleiben stecken mit Schrecken in den Tübchen, mit Karla isst du blassgelbe Mairübchen, trinkst Waldmeisterbowle dazu und lachst dem Stullenrudi entgegen. Teufelskralle, diese durchaus hübsche Wuschelkopfblume, kürzlich im Wald betrachtet und nicht gepflückt, eher die Fotoplatte damit bestückt.

Dem Hausdiener rufe ich zu, dass es bald soweit ist, mein letzter Geburtstag mit einer 6 am Anfang steht an, vorher aber noch der Sterbetag meiner Mutter. Die mich viel zu jung, echt jetzt, bekam. In der freien Stube im Haus von Rockydockie, wo sonst.

Diaspora

„Er liebte drei Dinge auf Erden:

Bei Gottesdiensten geistliche Lieder,

vergilbte Karten und weiße Pfauen.

Ihn störten Kinder und ihre Beschwerden,

Himbeertee war ihm zuwider,

mochte auch keine hysterischen Frauen.

…Dabei war ich sein Eheweib.“

(Anna Achmatowa. In: Frauengedichte der Welt. Hrsg.: Gisela und Ulrich Häussermann. Radius Stuttgart 2003)

Holunder

Gestern zweimal den Bach durchfahren , bevor wir an der Stelle mit den vielen kohlrabenschwarzen Schmetterlingen in den Wald eintauchten. Erstmal ganz alleine mit dem Enkel uns passende Spazierstöcke suchten und Sickerrinnsale am Weg übersprangen, beinahe die leise wiederkäuenden Kühe im Schattengestrüpp übersahen, und pünktchenrissige Donnersbergsteine sammelten. Den alten Wolf, der raustimmig Celan-Gedichte brüllte, habe ich mir lediglich hinter den dunklen Busch fantasiert, die alte Hildegard-Knef-Diva tätschelte ihn dabei.

Junge Lachleute kamen uns entgegen, ein Mädchen mit gelber Vogelpfeife und kleinem Kompass. Woraufhin der Enkel lässig meinte: Ach, das habe ich auch, hat mir die B. geschenkt.

Und: Opa, über was hast du eben mit dem Mann, der vom Rad sprang, geplaudert? Seine Wortwahl gefällt mir. Geplaudert!

Man bemerke den Stolz der Ehemalsdeutschlehromma!

ungestüm

Wasserfall

Fort flutschen die Gedanken, will ich sie packen. In welche Gefilde? Eventuell finde ich dort ein paar unerfindliche. Wie da mal einer vom Himmel fiel, und wir das gesehen zu haben meinten. Einen üblen Beinaheunfall im Rückspiegel sehen. Reibekuchen mit Apfelmus. Schwimmbadgeschrei. Mama, guck mal!! Bademeisterpfeifen. Urlaubsperlen. Glühwürmchen. Diese Kellner mit dem weißen Tuch überm Unterarm, ja, die mit den ungarischen Glutaugen, beinahe tänzelnd lassen sie den Palatschinken unter der Silberhaube vermuten. Ohrenkneifer oder Riesengrillen in Ferienhausbetten. Kartenspielgemurmel abends. Der Mann, der nackt im See stand und später gegen die Wand fuhr.

Der Schmied nebenan, hitziges Gebläse, Hämmern, Rufen. Onkel Willi, der die Kätzchen an die Wand warf. Die Tante mit der Ziegenmilch. Kaba für die Kinder, Haferflockensuppe für den Kamillenteevater. – Vom erlauchten Akademikerpublikum hier welche zu verlieren ob der Erwähnung von Shopping Quenn oder Daisy Duck. Spinnst du.

Immer!-

Archiv