Juli trocken und heiß,

Klebt dem Bauern die Hose am Steiß.

(Wilhelm Busch)

Zauberberg

Manche Wörter bleiben an Frauen kleben wie Wespen an Marmelade. “Hormonell” zum Beispiel ließe sich ebenso auf testosterongesteuerte Bankster und durchgeknallte Männer mit Maschinengewehren anwenden wie auf Frauen in den Wechseljahren oder mit PMS. Doch es ist eines jener Wörter, die, nicht aus wissenschaftlichen sondern gesellschaftlichen Gründen, geschlechtsspezifisch gebraucht werden.

(Jeanette Winterson. Raben-Kalender 4. Juli 2015)

Persilschein

Man ermattet so schnell jetzt. Im Sonntagsmorgenbette duftet meine rechte Hand nach nächtlichem Maggieigenuss deftig nach Wildsau. Erregend, weil neu. Passend zu diesem, meinem Süden.

Gestern Abend bei “Anke hat Zeit” tollen Menschen beim Zelebrieren ihrer Seltsamkeiten zugeschaut, zugehört, mitgegroovt wie die Ameisen auf dem Sheffieldteppich. Zum Maggiei ein Späthellgrellblues von Bonamassa, danach in die Suhle.

Die derzeit hier weilenden Südstaatengäste waren auf einem Deutschamerikanischen Freundschaftsfest anlässlich des gestrigen Nachdenkdatums, 4. Juli. Ja. Und ich Sorgenmutter wälze mich in Anschlagsszenarien und übrigem Obstsalat. Das Lesen in altmodischen Sommergedichten von Hofmannsthal, Chamisso oder Strittmatter hilft immer. Sorgensachen verschwinden lyrisch beschwichtigt.

Und noch schnell einige unheimliche Bilder zum Thema Schweizer Reduit betrachtet, dabei das Mainzer Reduit bemerkt. Ach ja, davor genau der Feierabendproseccostrand der Mainzer Südliebhabermenschen.

Der Wildschweinduft haftet lange an der Vogelzeighand, der dafür nie benutzten. –

Süden

Steinbruch

Der Juli

 

Der Juli

fällt ins Haus

mit frischen Himbeeren

wie manche Brustwarzen,

aufgerichtet unterm Hemd.

 

Er trägt Staub und Durst

in die Ecken.

Gib mir – sage ich –

was du hast, zum Beispiel

Gemüse für den Magen,

ein leichtes Bett ohne Decke

für ruhelose Körper.

 

Der Juli

geizt mit Schatten.

Ich wünsche mir kräftige Augen

für eine Vogelschau: darunter

alles, was es zu sehen gibt,

Liebe, Handanlegen

und bis in den Mund

gebräunte Hitze.

 

(Karl Krolow. In: Atem der Erde. Lyrik zu den vier Jahreszeiten. Hrsg. Asta Scheib. Radius Stuttgart 2013)

Hier gibt es Gutes zu lesen über die Bachmann-Lese-Wettbewerbstage in Klagenfurt:

http://www.vorspeisenplatte.de

http://www.claudiakilian.de

Gestern selbst geschaut(täglich auf 3sat für Stunden zu sehen) – leider die wunderbare Nora Gamringer verpasst. Der junge Mann, der später las, hat Blut und Wasser geschwitzt, erstmal beim Lesen, dann bei der umfassenden Jurykritik. Erinnerte mich sehr an die Anhörungen nach Prüfungslehrproben im Schuldienst. Als Proband hatte man das Gefühl, alles habe super geklappt, man geriet gar in eine Art Flow – schwebte ein wenig vor Begeisterung über das geschaffte Geschaffene -und dann kam dieser innerlich jämmerlich krabbelnde zersetzte, niedergemachte Wurm blass heraus- und wenn er keinen doch noch Gutes findenden Fürsprecher hatte, dann war es das. Darauf achten, dass man seine Gesichtszüge im Griff hatte. Diese vom Hals hochsteigende Röte geht nicht weg, wird schließlich zu einem fast Heidelbeerlilablau. Sich Tränen verkneifen.

Nach den Lesungen kamen noch schöne Berichte über eine Schreibgruppe dorten und eine Kneipe namens “Nachtasyl” in Wien. Ein gelungener Hitzenachmittag in kühler Stube.

Mohn

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