Vor Mitternacht das verkaufte alte vergilbte Buch vom Volkszeichnen zum gelben Kasten gebracht, die Sonntagsleerung erfolgt früh, nun sogar noch `ne Stunde früher. Aus dem Walnussbaumdunkel schuhuut laut ein Kauz – und im Radio tönt wohlig dies Gänsehautlied von den Manhattans, das zu meiner Beerdigung laufen soll. Wenn das mal keine Zeichen sind! Auf der andern Seite dieses freudige Fabulieren, dass man wahrscheinlich morgen in Den Haag unterm Coffeeshoptisch liegt oder im Dienstmädchenhabitus durch eng gestellte Bartische sich windet. Oder dass irgendwo Palmsonntag ist und wie man den verbringen könnte. Brennholz stapeln, Fremden zulächeln, Besteckschubladen aufräumen, klitzekleine Gegenstände sortieren, zartschöne Frühlingsbriefe schreiben, Kniekehlen salben, Haare färben, Bamberger Hörnchen schälen – Kniffelarbeit.

In die Träume hatte sich doch tatsächlich wieder so ein großer Trenchcoat-Schulleiter eingeschlichen, der mich zu hunderten kleiner Schüler in einen Schulbus zwängte, nur zu meinem Besten.

Mein Dreampersonalitymanager braucht unbedingt eine gewisse Anweisung, die werde ich ihm heute noch in scharfer Form erteilen.

Undinen

Jedenfalls konnte die Medienfasterin sich retten vor dem Ansturm der Geldscheffelgrübelkatastrophenberichte der vergangenen Woche. Nach der Karwoche wird sie es nicht zulassen, dass es geballt auf sie einstürzt. Was ein Glaube vermag!

Der Enkel spielt und lernt, lernt und spielt. Glücklich rennt er im Autoanhänger rum, weil da eine kleine Steigung ist und der Boden federt. Er juchzt beim Reinkommen, obwohl ich noch im Nachthemd stehe, rennt zur dunkelroten Decke im Wohnzimmer, setzt sich mitten drauf, möchte geschaukelt werden. Wir packen die beiden Seiten, heben die Decke, er ruckelt sich drinnen zurecht, liegt wonniglich und lässt sich wiegen. Später schöpft er mit einem winzigen Deckelchen meinen lauwarmen Tee auf den Tisch und auf den Kopf seiner wischenden Mama. Das Kind und ich, wir lachen ungehörig lautschallend glücklich.

Meine Schwester findet an den Nordseegestaden ein versteinertes Haiei, dabei soll sie mir “Sea glass” mitbringen, von denen kriege ich doch immer den Newsletter: http://www.seaglassjournal.com

Soeben brachte der Mann mit dem Riesengeländewagenanhänger das Kachelofenholz, worauf der Hund nichts Eiligeres zu tun hatte, als es als sein Eigentum zu markieren mit seinem Uralthundemannstrahl. Dieses Jahr wird er sechzehn, das ist schon was für so ein Tier. Sein Mischlingskamerad ist lange tot.

Letzte Nacht dieser Traum, wo der Papst mir was vorsang, was das nun wieder soll?

Jorinde und Joringel

Bitte schaut hier:

https://fotografieundtext.wordpress.com

Beitrag vom 27. März

Fürderhin

Separat

Ob ich nachschauen sollte im Nachbarort, wo in einem Wingert winzig die Wildtulpen, die gelben, blühen? Ein Apotheker, der viel reiste, soll sie hier angesiedelt haben. Wildtulpen Gau-Odernheim, man kann nachschauen. Auf Raritäten scharfwilde Botaniker aus Gießen oder von einem hinteren schwedischen See kommen hierher. Mitten auf der Straße dorthin turmeltorkelt der große Mensch, dem seine Intelligenz zum Unheil gereichte. Irgendwo hat der ehemalige Prof einen gelben Bauhelm gefunden, hat ihn jetzt immer auf dem Kopf im Lockersitz. Unterwegs ist dieser Anselmus immer. Ob er durch meine Träume geistert? Jedenfalls bin ich aufgewacht mit altersüblichen kleinen Malässchen, wie einer Miniwunde am Zeigefinger links, beim Kachelofen Bestücken zu schräg am Holz gedrückt, Spreisel reingerammt, rausgelutscht. Hätte das nur mal der Prinz getan.

Kleine Sommeranwandlung gestern: In der Sonne geschützt das Buch von der Unmöglichkeit, sich zu entscheiden, ausgelesen (Diane Brasseur: Der Preis der Treue). Danach einfach langsam im Garten gewandelt, auf die Geräusche geachtet. Ein leises Flugzeugbrummen, die Hühner der Nachbarin gackern, jemand im Dorf hämmert schmiedisch, der Nachbarssohn lässt mal kurz seine wilde Musik aufbrüllen, die Kirchenuhr schlägt leise was von baldiger Dämmerstunde. Da steht der Anhänger, in dem gestern der Einjährige aufgeregt die kleine Steigung und den federnden Boden ablief. Runterrennen, sich festhalten, lachen.

Erstaunlich häufig sind in Romanen neuerdings Emails zugegen. So auch in meiner nächsten Lektüre, die ein bisschen mit meinem früheren Beruf zu tun hat: Judith W. Taschler: Die Deutschlehrerin. Lässt sich gut an.

In meinem Buchkatalog lese ich von einer Fotografin, die sich in ihrer Radikalität ein Wort in die Handinnenfläche genäht hat. Was für ein Ding, dass ich vorher nichts wusste über sie. Ihr Name:

Tanya Ury. Hier steht, dass man neun Arbeiten einer bestimmten Serie hier sehen könne: http://www.grafikbrief.de

Außerdem gilt es, einen neuen Grautag zu erleben. Genug Teesorten habe ich ja.

 

 

Ungehöriges Benehmen – was, wann, wer, wo, wie, warum. Darf man im Lesesaal pupsen? Geht`s noch ungehöriger?

Die wilden Gänse

 

Ihr wilden Gänse habt es gut,

Ihr ziehet frei und wohlgemut

Von einem Strand zum andern Strand

Durchs ganze liebe deutsche Land.

 

Uns zahmen Menschen geht`s nicht so:

Wir reisten gern auch frei und froh

Ununtersucht und unbekannt

Durchs ganze liebe deutsche Land.

 

Kaum sind wir aber fort von Haus,

So muß auch schon der Paß heraus.

Wir werden niemals sorgenfrei

Vor lauter Maut und Polizei.

 

O daß doch einer es erdenkt,

Wie man den Luftball sicher lenkt!

Hier hört nicht auf die Hudelei –

Nur in den Lüften sind wir frei.

 

(August Heinrich Hoffmann Von Fallersleben)

SCHRECK

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