Plattitüden

Vehemenz

An den Straßenrändern nur noch Heu mit Wurzeln, halb oder ganz vertrocknet, wie damals in Kalifornien, weißt du noch, alles braun, das wird schon wieder. Hier mancherorts an den Rändern der Verkehrswege nur noch blaue Blumen, trockengesteckmäßig, Konraden sind das wohl – danke Roswitha, sie heißen Wegwarten. Das wird schon wieder, wer will es wissen…Kurze Gewittergüsse sind wirkungslos und wenn alle Welt jetzt Regenwasser sammelt, wo geht noch was in die Erde, die eh immer mehr zubetoniert wird von riesigen Amadings-, Post-, und sonstigen Centern.

Hauptsache Grillwürstchen?

Amaretto

Heiße Tage an versiegenden Waldbächen, man schleppt sich. Hitze tötet Kleinstlebewesen, nimmt Bergforellen den Lebensraum,während Arnikasalbe bei kleinen Malessen hilft. Man hüpft in seinen goldenen Waldwanderschuhen, hin zum Handkäsausflugslokal, wo schwitzende Hundeherrchen lockere Lieder probieren. Apfelsaftgoldgrube. Die Gurrtauben haben sich verkrochen, die Motorradfahrer möchten sich nackig machen, dabei Hessesätze sprechen. Noch ein bisschen aushalten, dann kommt Regen. Der rauscht so anders nieder wie vor fünfzig Jahren, beinahe als Trockenpuder mit Hageleffekt.

Der dickwanstige Heubauer sinkt darnieder, ein Hitzschlag nötigte ihn dazu. Die Dirndlmägde springen herbei mit diversen Defibrillatoren und einem Aspirinwässerchen.

Die freie Frieda, wie immer unterm Zwischenortsholzkreuz sitzend, betet extra laut und zeigt ihre blutigen Hände.

Frei erfundene Szenen, als Kind kindlich staunend erlebt. Natürlich ohne das medizinische Hilfsgerät, das es damals noch nicht gab.

Abstecher

Welche schoben das blaue Klavier, das in der Scheune stand, durch den Ort diese Himmelsleiterstraße entlang und ich wollte ihnen das verbieten und brüllte mir die Seele aus dem Leib, sie rannten ungerührt weiter mit der schweren, blauen Last.

Ein Traum am heißesten Tag des Sommers. Später der Gedanke an meine Machtlosigkeit und an Peter Härtling, der sein Lieblingsgedicht vom Blauen Klavier so gerne aufsagte. Die Farben Blau und Grün schillern auf hässlichen Fliegen. Alles hängt mit allem zusammen.

Bierdeckel

Köstlich, wie sie um das Arno-Schmidt-Gelände schwirren und von einer Frau Susanne Fischer dort drinnen herumgeführt werden, oder auch, wie er mit seinem autistischen Neffen umgeht, überhaupt alles im Buch „Reise mit Clara durch Deutschland“ von Fernando Aramburu. Entstehendes Gesundgelächter, und dass einer denkt wie ich.

Merkwürdige neue Tätigkeiten, so im Vorbeigehen Kreuzworträtsel lösen und bei der Anbeigewinntelefonnummer nicht anrufen.

Das Hantieren mit Gelenkwässerchen, die Opastimme noch im Ohr: Bitte reibe mir den Rücken unten mit Franzbrantdings…

Alte Witze über unverschämte Zumutbarkeiten, über die Betriebsblindheit in der Ursprungsfamilie, wo die Mutterheiligfrau Herrscherin durch Leiden ist, aber auch wunderbare Marillenknödelchen zubereitet oder Grünspeisen am Gründonnerstag.

Die Wanderstrümpfe stopft und Papas Urlaubsköfferchen packt, Buttercremetorte noch und noch und Kaffeetanten mit Pferdegebiss. Das Schrillgekreisch nach Himbeergeist. Schröpfblutegelgeschüttel der zarten Altfrauenkörper, im Grunde ohne sonore Herrenbelehrungen. Die waren schon fast alle in Richtung Unbekannt verzogen, weil sie falschrum tapeziert hatten oder sonstwie schräge Sachen fabriziert und ihre Dame nicht mehr erkannten.

Sowas kommt näher.

Schwabing

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