die Wahl haben

Gestern Abend einen guten Nachruf auf einen gelesen, mit dem die Bloggerin eine jahrelange Freundschaft auf die Entfernung hin…hier:

http://www.charmingquark.de

Auch eine Möglichkeit des Sterbens mit Musik und der Liebe nebenan, davon las ich schwer getroffen und doch getröstet hier:

http://www.wortschnittchen.de

Die Alten

 

Am meisten liebe ich die Alten

die ihren Kaffee selber

und nach eigenem Rezept

brauen

die immer härter werden

mit wachsendem Muskelschwund

die sagen:

wenn ihr unter Altersweisheit versteht

daß man sich abfindet

sucht euch einen Jüngeren.

 

(Rainer Malkowski. In: So jung wie die Hoffnung. Gedichte und Geschichten vom Älterwerden. Herausgegeben von Andrea Wüstner. Reclam  Stuttgart 2012)

Chalet

Schnaufend wandert unser zugelaufener Igel des Nachts in Komposthaufennähe. Verschimmelte Wassermelonen tun ihm wohl nichts. Die ebenso zugelaufene Katze bekommt bisschen Halbweltswertmilch hingestellt. Vor einem Jahr noch war der Garten schneckenfrei durch die Glitschtigerschnegel, nun ist er es durch Bierfallen und Igelmäulchen.

Über Lebensfreude habe ich mich soeben hier   http://www.helminger-projekte.com/graugans/

belesen, über die Lage ansonsten hier:

http://www.sixtus.net/muenchen

Nun nix weiter vom Getier.

Bohnerwachs

Sonntagsspaziergang

 

Auf dem Spaziergang, den ich gestern leise machte,

ich selbstverständlich vor Vergnügtheit sachte lachte.

 

Sonntäglich rauchten ein`ge Menschen ihre Pfeife,

auf einem Mädchenköpfchen schwebte eine Schleife.

 

Die Gegend schaute mich wie ein Theater an.

Wie hat es das Naturschauspiel mir angetan,

 

als sei ich immer noch ein junger Mensch an Jahren,

wär´ eben erst ins reifre Alter  ´reingefahren.

 

Romanisch stand in einem hübschen Gottesacker

ein Turm, und ich besichtigte danach gar wacker

 

das niedlich-feierliche Kirchenheiligtum,

und auf natürl´che Weise ging die Zeit herum.

 

Wenn man genügend, wie man sagt, gebummelt hat,

begibt man sich von selber wieder in die Stadt.

 

(Robert Walser. In: Der Neue Conrady. Das große deutsche Gedichtbuch von den Anfängen bis zur Gegenwart. Neu herausgegeben und aktualisiert von Karl Otto Conrady. Artemis & Winkler. Düsseldorf Zürich 2000)

Autodidakt

Heute war ein Treibhausschwülwetterumzugstag. Nun wohnt der Enkel mit seinen lieben Eltern hier, ganz nah dabei. Viele junge Leute haben geholfen, auch kleine Mädelchen mit Schlammdreckfüßelchen. Wasserbömbchen oder Kleinperlenflechtarmbändchen dabei. Hinkelchen und Pinkelchen saßen auf einem Berg, aßen morgens Spiegelei und abends was vom Zwerg.

Scherze flogen über die Umzugskisten, Witze beim Nudelsalat, hoffnungsvolles Gelächter und Babygebrabbel. Du hör mal, das Baby kann sprechen! (die eine voller Staunen zu ihrer kleinen Schwester).

Wanderer, kommst du nach Worms….na, eben ein bisschen Nibelungenochsenknecht geguckt, ein Stück Wildwüsttheater! Bunt, mit Bühnenschwimmteich neben dem Dom und Blut gar viel!

Sicherheit? Fehlanzeige – aber nein, ich stimme da nicht ein, ich lache lieber hoffnungsvoll mit der kleinen Umzugsgesellschaft. Außerdem: den beiden Ginkgobäumchen gut zusprechen!

Arioso

 

Ist die Julihitze unerträglich

helfen mir die vielen Würfel Eis nicht

 

Denk ich an die Kälte mancher Sterne

scheint die Julihitze mir so heiß nicht

 

Werden die Gedanken grau und kläglich

sage ich von Zeit zu Zeit Ich weiß nicht

 

Größer als die Kälte aller Sterne

ist das Leben doch man liebt den Preis nicht

 

(Harald Hartung. In: Juli. Gedichte. Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell. Reclam Stuttgart 2014)

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