Stürzen vor Publikum

„Ich erinnere mich, wie ich im Frühjahr 1975 in einem gelben Taxi den FDR Drive entlangfuhr und meinen Jungen die Wolkenkratzer von Manhattan zeigte. Sie sahen aus wie ein glitzerndes Gebiss. Sehr gesund dem Anschein nach. Aber zwischen ihnen gab es gelb angefressene Stellen, Junkienester und Revolvergangblocks. Und die USA sind seitdem nicht mehr beim Zahnarzt gewesen. Obwohl ihnen am 11. September 2001 beide Vorderzähne ausgeschlagen wurden.“

(Aus: Eine Frau bei 1000 Grad, von Hallgrimur Helgason. dtv München 2013)

Im Traum die alte Kollegin, Abgesänge auf die Schule, tiefe Landschaften, und ich wollte doch nur eine heimatliche Teetasse vom Ende der Welt.

„Literarische Geselligkeit“ heißt meine neueste Ideenkiste für das Schreiben in Wollsocken, damit werfe ich mich in die sonnige Weinherbstluft. Wirklich, die Luft ist geschwängert von Duft nach Trester und Weinmachüberbleibseln, Angegorenes.

Auf den Feldern, wo sie die Maische hinbringen, torkeln sich die Raben besoffen.

Zwei mal wollen Autoren die Wahrheit sagen – und es wird nicht gesendet oder abgedruckt. Wahrheit wäre schlimm. Man will die Leser oder Hörer davor schützen. Einmal wird ein Interview mit Andreas Altmann im WDR nicht gesendet (Es könnte die Zuhörer verstören!), einmal das Interview mit einer Gerichtsgutachterin aus einer Frauenzeitschrift weggelassen aus gleichem Grund. Sie will Frauen ihre Destruktivität bewusst machen. Nachzulesen im Buch „Die Schuldigen“ von Hanna Ziegert.

Was hat die Ambulanz

zu tun

mi´m Dichter Rosenkranz?

(frei nach den Zetteln, die hier um die Tastatur liegen)

Zwangsläufigkeit

Zerberus

Seide

Manchmal ist mir der Mund gebunden. Die Beine stelzen vor sich hin. Der Assoziationsfluss stockt oder strömt plötzlich lauthals über Sinn und Blutgeistunsinn.

Klebe ich einen Briefumschlag zu, können keine Belauschungsteilchen rein, höchstens ein Geldgierpostbote pfriemelt nach Scheinchen. Umschläge mit Omahandschrift und kartenähnlichem Dings drin sind besonders betroffen.

Mit dem Enkel eine Kruschtmaschine gebastelt: Nägel in ein Findelbrett geschlagen, daran Schalottengummis gespannt und alles angebracht, was in einem Kramkästchen gefunden wurde. Cremetortenfüllspitzen, Uhrenrädchen, Verschlüsse, usw. Beinahe documentawürdig, was wir Altjungkünstlerwürstchen da hergestellt haben.

beinahe

Die Luft ist erfüllt

vom Duft der Chrysanthemen.

Der Blinde sieht´s.

 

(Aus: Gedichte von Matthias Hermann. 72 Buchstaben. Erste Auflage 1989. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1989)

Erstsemester

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