Luder

Nach Mitternacht das Einschlummergelese ist derzeit Ortheils „In meinen Gärten und Wäldern“, die zweite, erneuerte Auflage, und diese hochfein gesetzten Sätze aus dem Erleben mit der Natur lassen über Nacht viel Pflanzliches, Sumpfiges, aber auch blühendes Leben wirken. Wie Kinder sammeln wir trockene Hölzchen, stapeln sie für ein geliebtes, manchmal umtanztes Feuerchen, momentan nur gedacht, doch immerhin.

Demnächst in der schwarzrostigen, alten Grillschüssel mit dem Enkel, da gesellt sich Rauch zu Nebel, Hüpffreude zu Melancholie.- Wenn dann noch die rosaweißen Speckdinger auf Holzstäbchen gesteckt werden, kommt neumodisch Leckeres automatisch dazu! Dergleichen würde Herr O. verschmähen. Macht nix!

Klangschale

Ein paar Zufallssätze aus dem Erinnerungsbuch:

Ich erinnere mich an gewisse Treffen, bei denen man schlecht aufstehen und gehen konnte.

…an hell erleuchtete nächtliche Waschsalons, in denen kein Mensch zu sehen war.

…, dass ich herauskriegen wollte, welchen Sinn das Ganze (das Leben) hat.

(Alle aus „Ich erinnere mich“ von Joe Brainard)

Noch ein paar von mir, ich überlege mal kurz…

…wie entsetzt ich war, dass zu meiner Konfirmation kein lieber Gott erschien.

…dass ich heimlich in den Nachttischschubladen der Eltern kramte.

…wenn sie sagten, ich ginge wie der Storch im Salat.

…dass der Knecht Ruprecht im Kindergarten mal wirklich ein schreiendes Bübchen in den Sack steckte.

Strickjacke

Was für ein wunderbarer Nachruf auf diesen wachen Geist. Siehe Link im ersten Kommentar.

Gesicht

Im Traum kaufte ich mir in meiner alten Lieblingsbuchhandlung, die inzwischen einer Heidelberger Bahnhofsbuchhandlungskette gehört, einen feinen, farbenfrohen afrikanischen Kaftan, hach, war der schön. Schwarzrotknallgelb. Und eine zahnlose, lachende Freundin kam, bewunderte das neue Kleidungsstück und wir eilten hinweg zu neuen Taten.

Schöner Traum trotz lockerer oder garkeiner Zähne.

Außerdem warnt meine innere Bloggerstimme: Du postest immer so artige Sachen. Kultur und Leben, eben. Weniger hautnah oder spritzig und von einem winzigen Gladiatorfetzen blieb mir ein sich in Todeswindungen krümmender Tiger und die Worte:

Dein Sohn schrie wie ein Mädchen, als wir ihn ans Kreuz nagelten und dein Weib stöhnte wie eine Hure, als wir sie schändeten, wieder und wieder… (Hätte ich mir doch die Ohren zugehalten, am Fernsehguckraum vorbeigehend…)

Nun hänge ich die dicke, lustige Weihnachtsengelfrau ans Fenster und den Stern aus Birkenrinde vom Alzeyer Töpfermarkt.

Bedächtigkeit

In irgendeinem meiner geliebten Magazine las ich, dass man prominente Frauen viel häufiger nur mit dem Vornamen beschreibt, als man das mit Männern tut. Merkwürdig, und in meinen Augen einfach eine anbiedernde Respektlosigkeit.

Und der Enkel, der mit seinem Großvater zusammen einen kleinen Trickfilm drehte, so mit Legofigürchen auf einer Betttuchbühne, sogar mit Musik. Zufriedene Gesichter in Folge.

Im Garten Krähen, Tauben, fallende Blätter und hier der Bericht einer jungen Frau, die beim Tod von Otto Mühl ein wenig weinte: am Heftigsten fand ich, dass man ihnen alle Tagebücher wegnahm und sie verbrannte.

https://www.hr2.de/programm/doppelkopf/doppelkopf-mit-jeanne-tremsal-kommunardin-,epg-doppelkopf-1540.html

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