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Stockholm-Syndrom

Wie Storm den Halbstarken sagte, sie sollten beim Stehlen seiner Äpfel und Birnen nicht andere Pflanzen und Wurzeln, vor allem nicht die Erbsen zertreten, so überlege ich, was mit den enormen Mengen von Obst gemacht werden soll. Die wurmstichigen fallen, während die Winzer sich überlegen, wie der Weingeschmack verändert wird von all den neuartigen Marienkäfersorten, die gerne von den Trauben kosten und im Moment der Lese mit drin sind.

Der befreundete Klugmensch meint, die Welt ginge nicht an einem Virus zugrunde, sondern an der Umweltkatastrophe. Wie die Welt kaputtgeht.

Entrüstung über Herzlosigkeiten ist egal. Kopf hoch, Mädchen, das wird schon, kann keiner mehr sagen. Man wurschtelt weiter, in Garagen und Schrebergärten, in Buchhandlungen und Marmeladenbauernlädchen…

Gedankenstrich

Ginge ich im Herbst ins Kino, dann in diesen Film, über den es eine kleine Besprechung im ersten Kommentar gibt.-

Auch sonst mundet mir die Analyse im heimischen Garten hervorragend. Tatsächlich lässt man ab und zu auch das Böse raus, es tut einem innerhalb eines mehr oder weniger langen Zeitraumes leid, man bereut oder heult.

Es betraf manchmal gar die, die man doch herzlich liebhat und nun ist es verdorben, nicht mehr besenrein, die Beziehung. Auf dem Weg in andere Welten kann man sich ja nochmal dazu was überlegen, Lebensgestrüpp beiseite…

Dampflokomotive

„Ist dies mein letztes Haus, das Haus, dem ich treu bleiben, das ich nie mehr verlassen werde? …Sollte ich hier das erreicht haben, was man nicht zum zweitenmal beginnt?

Alles gleicht den ersten Jahren meines Lebens. Der kleine ländliche Besitz, die Katzen, die altgewordene Hündin, das Gefühl des Wunderbaren, eine stille Heiterkeit, deren Hauch ich von fern her verspüre – barmherziger Tau, Verheißung erquickenden Regens, die über meinem immer noch gewitterschwülen Leben schwebt! – sie alle lassen mich allmählich den Heimweg erkennen.“ Colette

Mein Haus steht nicht in Saint-Tropez wie das ihre, trotzdem gibt es gewitterschwüle Ähnlichkeiten…

Dunkelblaues Unterhemd, Blauinsichblaustreifen auf der Wochenanfangshose, erfrischtes Gemüt nach gutem Schlaf und Bewunderung der wilden Jedermannschauspieler mitsamt der irren Kostümschaft.

Unterm Nussbaum lange sitzen, aus Kieselsteinchen vom Rheinufer nicht Steinmännchen bauen, sondern eine Art Mäuerchen wie sie irische Landstraßen säumen.

Ein altmodisches Lineaturunterlegblatt betrachten: das Papier hat von selbst einen gelblichen Ton angenommen, funktioniert aber noch.

Kalenderblätter sind gewechselt, sowohl bei den Monatskalendern als auch bei denen für jede Woche. Die neuen werden angepeilt, bevor es Lebkuchen im Supermarkt gibt. Was wird mit dem Literaturkalender über New York? Man wird so tun oder schon getan haben, als wäre nix. Manchmal schaue ich die Webcam vom Times Square: verhältnismäßig unbelebt, mehr Fahrräder, keine Touristen. Dann doch lieber Wildschweine in Ungarn oder Zigarrenraucherinnen auf Kuba.

drall

Latrine

Diese brausenden Augusttage. Keine Koffer packen, ganz was Neues. Außer vielleicht Ende des Monats ein bisschen. Zwischendurch eine Bühne. Zwischendurch grinst das Seuchenpersonal herüber, kleine Kinder patschen durch ausgelatschte Zimmerbrunnen, keine will Apfelmus bereiten. Sie hängen in Trauben von den Bäumen, fallen runter, stellen sich als Fallobst vor. Der Betriebsrat versteckt sich in alten Höhlen, in denen sonst berauschte Leute zappeln, die Yogafrau schreitet vornehm durchs Gelände. Vertrocknete Damen tragen gerne Goldschmuck, vielleicht befeuchtet er die Angst vorm gänzlichen Absterben. Wenn schon der Alfred tot ist. Er wollte doch noch `ne Runde radeln. Zum Glück ist das schwere Elektrorad nicht auf ihn geknallt.

Eine Schülerin erzählte mir mal, dass der Opa, bevor er tot da lag, noch den ganzen Hof vollgekotzt habe. Sie schüttelte sich.

Eine andere berichtete von ihrer Mama, dass die sich immer wieder Traubenzucker auf den Handrücken streue und den mit der Nase hochzöge.

Zögerlich treffen Erinnerungen ein. Manchmal brutal, wie gestern beim Lesen des Magazins der Süddeutschen: Bericht über zwei mutige Schwestern.

Am liebsten über die Stirn wischen und Schönes tun …

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