Der alte Mann

Wie aber habe ich vergessen können

Daß es diesen Anblick gibt, unter anderm

Den ängstlichen alten Mann

Der am Stock jetzt weitergeht nach einer Pause

Seine Stirn ist zu blaß

Er sieht besorgt aus und könnte gut

Mit einer freundlichen Person – träfe er sie doch

Wenn er mich zufällig doch träfe

Erleichtert lächeln, ja er freut sich

Weil es ihm wieder einmal geglückt ist

Für eine neue Wegstrecke genügend Atem anzusammeln

Und eine Überraschung wäre nun

Wirklich schön für ihn

Er beansprucht nicht mehr allzuviel Zeit

Er lebt ein wenig mutlos, finden Sie nicht

Etwas Vorgetäuschtes hat das alles doch mittlerweile

Wie ihn das kleine Abenteuer, diese List:

Die nächsten paar Schritte, jedesmal fröhlich umstimmen.

Ich sehe dem alten Mann nach

Es wäre kein Zufall, wenn jetzt zufällig

Ich hinter ihm herliefe, ihn aufhielte, ihn

Vorsichtig begrüßte – seine Stirn ist zu blaß

Alles ist nicht mehr so dringend in seiner Nähe.

Seinen Wintermantel wird

Keines der Kinder so recht von Herzen

Haben wollen.

(Gabriele Wohmann. In: Zurücktreten aus der Erscheinung. Gedichte über das Alter. Hrsg.: Helmut Bachmaier. Wallstein Göttingen 2021)