Kassiber

Ich roch Hyänenbrunft in den Bars.

Ich traf in den Kneipen Schakale.

Ich hörte den Brüllaffenschrei auf den Rängen.

Geier sah ich, die Drähte zerrissen,

Skorpione, die sich füllten mit farbigem Gift.

Ich sah Leguane in den Anlagen wüten,

Heuschreckenschwärme ihr Blut

einem lüsternen Himmel aufdrängen;

doch ich sah keinen Menschen.

(Wolfdietrich Schnurre. In: Widerspiel. Deutsche Lyrik seit 1945. Hrsg.: Hans Bender. Moderner Buch-Club Darmstadt 1961)

Anbei steht noch dies auf gleicher Seite:

Warum schreiben Sie überhaupt Gedichte?

Weil das Gedicht diejenige literarische Form ist, die am strengsten zum Aussparen und Weglassen zwingt. Weil das Gedicht Formeln verlangt, und weil ich mir im Suchen nach diesen Formeln Klarheit verschaffe. Weil ich im Gedicht ohne Umschweife mein Thema anpacken kann. Weil ich meine Erinnerungen nicht verlorgengehen lassen möchte. Weil ich meine Unruhe fixieren will. Weil nur das Gedicht mir die Möglichkeit gibt, meine Angst einzudämmen, mich von Bildern zu befreien, die mein Bewußtsein blockieren.