Thusnelda

Thusnelda war ein Mädchen

und reizend anzusehn,

wie Johann Wolfgangs Gretchen

und das Heilbronner Käthchen:

so jung und morgenschön.

Fiderallala, fiderallala,

fiderallala -na ja.

Doch leider war Thusnelda

nur äußerlich so nett:

Sie liebte nur sich selba

und dann noch Pfirsich-Melba

und blieb bis elf im Bett.

Fiderallala, fiderallala,

fiderallala – na ja.

Der Schule siebte Klasse

erreichte sie nur knapp.

Doch abends auf der Straße

war sie das As der Asse,

dapdu, dapdu, didap.

Fiderallala, fiderallala,

fiderallala – na ja.

Sie träumte von Karriere

als Film- und Schlagerstar,

verwöhnt mit Geld und Ehre,

drum schwänzte sie die Lehre

und blieb doof, wie sie war.

Fiderallala, fiderallala,

fiderallala – na ja.

Nun sollte man doch meinen,

daß sie noch tiefer sank?

Nein, sie fand zeitig einen,

die Kasse voll von Scheinen

der Deutschen Notenbank.

Fiderallala, fiderallala,

fiderallala – na ja.

Fortuna ist nicht weise,

Moral scheint auch noch rar.

Wie sagt man da? Na: Sch – – ade!

Thusneldas Hochzeitsreise,

die ging nach Nessebar.

(Jens Gerlach. In: An dem kleinen Himmel meiner Liebe. Heiter-amouröse Dichtung. Mit 24 farbigen Zeichnungen von Max Schwimmer. Hrsg.: Bruno Brandl. Verlag der Nation Berlin 1. Auflage 1979)