Bericht

Als die Faschisten

die Wahrheit ermordet glaubten,

machten sie auf dem Opernplatz zu Berlin

einen Scheiterhaufen aus Büchern,

um auch den Geist zu verbrennen.

Zur gleichen Stunde aber

saß gegenüber in einem Zimmer

ein Mann bei der Arbeit.

Nur manchmal,

wenn die Horden beim Tanz um das Feuer

zu mächtig krakeelten, horchte er furchtsam,

schaute er ärgerlich auf.

Dann senkte er eilig den Kopf

und schrieb weiter.

Er redigierte die „Rote Fahne“.

(Heinz Kahlau. In: Lyrik der DDR. Zusammengestellt von Uwe Berger und Günther Deicke. Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar 1974)