Kleine Dezemberelegie

Seltsamer Freudenmonat im Dickicht

zwischen Erwartung, Enttäuschung, Versagung

meiner Kinderjahre, durch die manchmal

noch ein bimmelnder Pferdeschlitten fuhr.

Dezember, geheimnisvolle Palette

aus Gerüchen, Farben, verwehenden Tönen:

Bratäpfel, heiße Maroni, Nebel,

Wachs und Weihrauch, bitteres Harz.

Morgenschneelicht, irisierender

Kaufbudenflitter und dahinter

das Graugemisch der Hinterhöfe,

die Hungerblässe in ungeheizten

Zimmern und die sternenlose Schwärze

einer fieberdumpfen Heiligen Nacht,

in der unüberhörbar mit dünner Stimme

eine ferne Glocke zu singen begann.

(Christine Busta. In: Atem der Erde. Lyrik zu den vier Jahreszeiten. Hrsg.: Asta Scheib. Radius Stuttgart 2013)