Morgen kehrt sie zurück aus dem Hellergärtenland, die Freundin! Ich werde erfahren, ob sie traumschlaffe Palmen gesehen hat oder semiprofessionelle Eidechsenimitatverkäufer, was sie zu essen sich suchte, und ob ihre Begleiterin diesmal ruhiger war. Ob sie sich mal fürchteten oder ständig fein gelächelt haben. Früher fand sie nach einer Nacht im Atlasgebirge unter dem Zelt einen fetten Skorpion. Früher ritt sie durch die Mongolei, heute zerren einige wildwüste Enkel an ihr. Die Reise war Auszeit.

Jetzt das Gedicht, aus dem das Überschriftenadjektiv stammt:

Im Treibhaus

Gefleckte Moose, bunte Flechten schwanken

um hoher Palmen fächerstarre Fahnen,

und zwischen glatten Taxusstauden ranken

sich bleich und lüstern zitternde Lianen.

Gleich seltnen Faltern schaukeln Orchideen,

und krause Farren ringeln ihr Gefieder.

Glitzernd von überwachsnen Wänden wehn

in Flocken wilde Blütenbüschel nieder.

Und kranke Triebe züngeln auf und leuchten

aus jäh gespaltner Kelche wirrem Meer,

und langsam trägt die laue Luft den feuchten

traumschlaffen Duft der Palmen drüberher.

Und schattenhaft beglänzt im weichen

gedämpften Feuer strahlt der Raum,

und ahnend dämmern Bild und Zeichen

für seltne Wollust, frevlen Traum.

(Ernst Stadler)