Der Reisebecher

 

Gestern fand ich, räumend eines langvergess´nen Schrankes Fächer,

Den vom Vater mir vererbten, meinen ersten Reisebecher,

Währenddes ich, leise singend, reinigt` ihn vom Staub der Jahre,

War`s, als höbe mir ein Bergwind aus der Stirn die grauen Haare,

War`s, als dufteten die Matten, drein ich schlummernd lag versunken,

War`s, als rauschten alle Quelle, draus ich wandernd einst getrunken.

 

(Conrad Ferdinand Meyer. In: Reisen. Gedichte. Hrsg.: Vanessa Greiff. Reclam Stuttgart 2018)