Die dritte Nacht April

 

Der Havel das Eis, den Kröten den Mund

öffnet April.

Der Himmel war vom Schnee noch wund,

ich kam auf die Welt, es regnete still

in der dritten Nacht April.

 

Die Milch der Mutter schmeckte gut.

Der Birkbusch wuchs, ich blieb nicht jung.

Die Nacht verdunkelte mein Blut,

der Augen braune Dämmerung.

 

Der Schatten meines Herzens steht

im kalten Schatten vom April,

dem feldernden, der Lerchen weht,

und in den Bäumen leben will.

 

(Peter Huchel. In: Flügel der Zeit. Deutsche Gedichte 1900 – 1950. Auswahl und Nachwort von Curt Hohoff. Fischer Bücherei Frankfurt am Main 1956)