„Inzwischen will ich die Schmeicheleien in meinen Briefen ein wenig einstellen, Du hast sie gar nicht nötig,…“

Einen Blick ins Buch geworfen an einem öffentlichen Regal, in dem auch Kochtöpfe, Kuchenplatten, noch eingepackte Tischdecken usw. stehen oder liegen, und schon ist das Buch in meine Tasche gewandert. Ein Briefbuch, wie ich entzückt feststelle: Hilde Domin. Die Liebe im Exil. Briefe an Erwin Walter Palm aus den Jahren 1931-1959. Es hat einmal einer Lore gehört. Nur „Lore“ steht da mit Bleistift geschrieben. Ein Glücksfund!

Gestern Abend in altersuntypischer Kleidung ein Kabarettprogramm besucht. Im dunkelroten Samtkapuzenpulli bei Henni Nachtsheim, kleinerer Teil von Badesalz. In meine Tunneltasche am Bauch lege ich das weitere Programm der Veranstaltungsstätte, während mein Begleiter mir erklärt, dass diese Art von Kleidung für irgendwelche Arbeiter in New York erfunden wurde. Ein wenig auffällig ist das Teil schon, manche gucken verwundert, verstört oder erfreut, denn es hat an den Ärmeln helle Streifen mit Goldglitzer, man könnte es Edeljoggingjäckchen nennen.

Der Ort ähnelt dem Mainzer Unterhaus, alles frisch renoviert und ich sehe, dass es rundherum einen mit kleinsteinigem Kies gefüllten Abstand zwischen Fußboden und Wand gibt. Eine feine Idee für Innenräume, finde ich.

Das Publikum ist eher älter, manche sehen nach Motorraddickbauchbierrocker aus, so mit bedrucktem T-Shirt und langem Pferdeschwanz, teils Fetthaar.

So was in Kultur ab und zu, und ohne ein einziges Weihnachtsgedönswörtchen, das gefällt mir!