Wie hat die Seele sich mit Hast

Ins Meer hineingedrängt,

Da liegt sie tief, da ruht sie aus

Am Wassergrund versenkt.

 

Sie war so blaß, sie flatterte

Wie lose Blätter braun,

Als packte sie sich selbst im Wind

Und im Novembergraun.

 

Sie hatte gar nicht mehr den Sinn

Zur roten Gegenwehr,

Gebrochner Flügel hing sie da,

Die Fahne hin und her.

 

Zum Meere ist sie nun geflohn,

Zur Nacht ins dunkle Haus,

Und deshalb ist die Seele leicht,

Sie ging sich selbst voraus.

 

(Henriette Hardenberg. In: November. Gedichte. Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell. Reclam Stuttgart 2013)