Die Zweitausendeinser seien am Ende, dachte ich. Nun staune man über die Eröffnung übermorgen im Volkshaus Leipzig, Eröffnung eines neuen Ladens. Was sich außerdem geändert hat:

beim Blick aus der Schreib- und Lesestube dezent rauchende Schornsteine auf den Häusern der Dorfälteren. Ein kleiner gelber Bagger wird am Haus auf- und abgeladen, jedesmal mit Blink-Blink und Getöse. Das ist der Nachbarsswimmingpoolausbaggerer. Der Postmann bringt Herbstdunstjacken und Eisweinscherchen, Wärmflaschen, Rheumapflaster und Elefantendildos.

Ich denke an mein erstes, herrliches gelesenes Roadmovie, in dem zwei ältere Witwen mit dem Motorrad eines der verstorbenen Gatten durch Deutschland brausen: „Schwere Reiter“ von Asta Scheib. Demnächst soll wieder eines in die Kinos kommen: die Mopedreise mit zwei Brüdern, die auch mit einer Beerdigung beginnt. Noch am Grab des Vaters, mit einem Ringkampf ebendieser Brüder. Der eine Bruder gespielt von diesem lustigen Tatortreinigungsmenschen.

Aber ich wollte ja ernst und akademisch bleiben.

Kartoffelstampf mit Stubenkükenkratzerlknödeln oder das Zwillenpicknick mit Hocheiweißsaiblingen, anschließend Magenkrämpfe und Pfefferminzmilch.

Die Tochter meiner Freunde kommt jeden Sonntag heim, um sich am Klavier auf Parkettboden fünf Stunden lang vom Wirtschafstarbeitsdruck träumerisch und vatererfreuend loszuspielen.

Eine andere Freundin fährt mit ihrer alten Mutter an Orte, an denen diese tausendlebensglücklich war. Die Vergangenheit kehrt nicht mehr ins Muttergesicht zurück, es bleibt taub schweigend faltig mit verständnislos wässrig blickenden blauen Augen.

Also: Pläne machen!