Herbstsonett mit Rilke

 

Altrosa wie Rilke oder wie

eine Ziegelwand im Regen:

das Staunen wird sich legen.

Du gewöhnst dich irgendwie

 

an Farben. An anderes nie.

Du weißt dich nicht zu bewegen,

im herbstlichen Blättersegen,

reibst dir beklommen das Knie.

 

Das ist nicht deine Sache.

Du stehst in der Wasserlache

und fühlst: der Herbst ist so –

 

Altrosa wie Rilke, dann düster.

Da stockt selbst das Geflüster.

Da gibt es kein WIE und kein WO.

 

(Karl Krolow. In: Oktober. Gedichte. Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell. Reclam Stuttgart 2013)