Wie man eine Nonne wird

für Jennifer Josephy

 

An kalten Tagen

ist es leicht vernünftig zu sein,

den Mund gegen Küsse zuzuknöpfen,

die Brüste mit Talkum

einzupudern

& das rot-rohe Fleisch

des Herzens

zu vergessen.

 

An solchen Tagen

tickt es

wie eine Digitaluhr –

kein richtiges Ticken

eher ein stetes Summen

eisig wie grünes Neon,

leuchtend wie Ziffern im Dunkel,

kühl wie Elektrizität.

 

& ich denke:

ich kann ohne all das leben –

Liebe mit ihrer Blutpumpe,

Sex mit seinen verkorksten Begierden,

Männer mit ihrem Pfauenstolz,

ihrem albernen sexuellen Gepäck,

ihren nassen Zungen in meinem Ohr

& ihren Worten wie kleine Zuckerlutscher

mit saurer Füllung.

 

An solchen Tages

trage ich mein reißverschlossenes Körperkostüm,

trage ich Siebenmeilenstiefel aus rotem Wildleder,

marschiere ich über Kopfsteinpflaster

als wären es Männerköpfe,

 

& ich bin glücklich

wie eine siebenjährige Jungfrau

an Papas Hand.

 

(Erica Jong. Blut & Honig. Ausgewählte Gedichte. S.Fischer Frankfurt 1981)