Vorstellung

 

Ich bin der Wolkensteiner,

ein Stolzer, doch kein Reiner,

soff auch an trübem Kolke,

saß auch bei wildem Volke,

und wenns zu sehr gestunken

bei Kröten und Halunken,

floh ich, zu richten Welt und Reim,

zum Kuckuck, in meine Wolkenheim,

Landsleute, nebeltrunken.

 

Ich bin der Wolkensteiner,

ein abgebrühter Weiner,

ein Tränensack von Leder,

so leicht gerührt wie jeder,

doch in den Finsternissen

hat sich mein weich Gewissen

an Eisenherz und Totenbein,

an eurem Eis, an eurem Stein,

Landsleute, totgebissen.

 

(Paul Wiens. In: In diesem besseren Land. Gedichte der Deutschen Demokratischen Republik seit 1945. Ausgewählt, zusammengestellt und mit einem Vorwort versehen von Adolf Endler und Karl Mickel. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale), 1966. Berechtigte Ausgabe für den Buchclub 65, 108 Berlin)