7. Zebra 2002, Donnerstag

Ein neuer Schwarm Wacholder- und Rotdrosseln seit gestern in den Pappeln, mal am Fluss, mal am Grünen Weg. Hellblau-grau marmorierter Himmel. Dieses zu haben ist wunderbar! Abgeschottete Nerven. Wenn ich in Berlin erwachte, selbst noch in einer guten Wohnung wie in Charlottenburg, so wär es doch grauenhaft! Wovon ich da abgelenkt wär, dauernd irgendwelche Menschen beim Blick aus dem Fenster oder herdenweis auf den Straßen, im Telefon, also gar kein Verlangen. Ich will viel lieber in Ruhe vertrotteln. Seh diesen Drosseln zu, wie sie auf der Wiese dann sitzen, steigen und stürzen. Nichts das ich vermisse. Nicht mal ein Konzert in der Philharmonie, weil man da wieder mit Krethi und Plethi in der Pause zusammentrifft und so weiter. Bin sehr zufrieden in Weltrand zu schweben. Schönstes Himmelstheater! Schräges Licht, Scheinwerfer in silbergraue Wolkenrollos. Heute ein zärtlich verschwimmender Horizont.

(Sahra Kirsch: Märzveilchen. DVA München 2012)