Erst nichts wissen. Beim Betreten des alten Hauses mit dem Enkel schnuppere ich und sage, dass es merkwürdig riecht. Der Enkel meint daraufhin, es rieche nach Räuber und Komm, wir gucken vorsichtig, ob einer sich irgendwo versteckt!

Da war keiner, nirgends, und wir haben mit Luftballons geschmissen.

Später kommt mein altes Wohlgefühl in den Räumen der Träume hoch, wo es weder nach Räuber noch nach Erika, der krautigen, riecht. Wo es das Knattern der klobigen Lochmaschinen zu hören gibt, wie damals im Fernmeldeamt. Kurze Zeit saß mir gegenüber die Schwester meiner Freundin, die mich bipolar zum Würmchen machte mit ihren Theoretikquarkredekaskaden. Zu jedem Thema wusste sie ausufernd abqualifizierend Bescheid und hat zum Glück bald gekündigt.

Sie war unter anderem Mannequin. Bei einem Besuch in London klebte ihr knalliges Kussmündchen an Biergläsern in der U-Bahn, und sie berichtete uns zarten Mädels, wie man sich in der Szene hochschlafen musste, wollte man was werden. Wir waren erst 17 und ihr damaliger Fotografenmann kochte uns jeden Abend eine mundende Shepard`s Pie.

In Soho streunten wir naiv. Und klammerten uns stahlfest an eine Straßenlaterne, als ein Auto hielt, zwei Kerle raussprangen und an uns zerrten. Ich glaube, es waren keine Fotografen. Eher so Earlgrafenlords mit hübschen Ländereien, unterkellert, oder so! Angebote, in gewisse Ateliers zu kommen, bekamen wir süßen Mäuse, doch die ältere Schwester mit dem Bierglasmündchen riet uns ab. Stattdessen kaufte ich mir in Portobelleroad einen schwarzen Jumpsuit mit Reißverschluss vorne, der mich aber auch nicht zum heißen Discohasen machte. Beim Ravi Shankar -Konzert wurde mir schlecht vor Langeweile und wir gingen weg in der Pause, zudem ich solche Angst hatte, dass in der Royal Albert Halle die Emporen runterkrachen würden.

All das, weil es bei uns manchmal nach Räuber riecht.