„Leiden ist unnötig. Aber man muß  leiden, ehe man erkennen kann, daß das so ist. Zudem wird erst dann die wahre Bedeutung des menschlichen Leidens klar. Im letzten verzweifelten Augenblick – wenn man nicht mehr leiden kann – geschieht so etwas wie ein Wunder. Die große offene Wunde, aus der das Lebensblut floß, schließt sich, der Organismus blüht wie eine Rose. Man ist endlich „frei“, und nicht „voll Sehnsucht nach Rußland“, sondern voll von einer Sehnsucht nach immer mehr Freiheit, immer mehr Seligkeit. Der Baum des Lebens wird nicht durch Tränen lebendig gehalten, sondern durch das Wissen, daß die Freiheit echt und ewig ist.“

Das ist der letzte Abschnitt des Romans „Plexus“ von Henry Miller, Rowohlt Hamburg 1970.

Während unerlässlicher Hausarbeiten lese ich in meinen Regalen herum, vor den Fenstern die graue Wetterunwinterssuppe. Bei kleinen Gängen zu den Kompostfabrikchen oder ans Gemüseauto überdenke ich mein Jungfühlherz, das innerlich nicht schleicht und druckst, sondern um sich greifend Luft und Lust holt noch und noch. Das pralle Leben von vor zwanzig Jahren nicht mehr führen wollend. Es ist gut, wie es ist.

Zeiträuber, von denen manche sprechen, kenne ich nicht. Kenne ich doch nicht meine Zeit. Die alte Nachbarin ist gestürzt, will nichts mehr essen, ihre Zeit kommt bald. Gewusst hat sie es nicht, bis kurz vorm Hinfall die Kirche dekoriert. Mein Gott!

Weiter lehne ich am leise vibrierenden Wäschetrockner. Es hat was!