Meine Lieblingskalender schon auf dem Sprung, mein Lieblingsregal ist das mit der Lyrik, längst nicht fertig. Mehr zur Befüllung kommt ins Haus durch manch petite collection per Post, oder ich finde fantastische Gedichtbände mit altem zarten Dünnpapier in öffentlichen Regalen, ja, immer noch und mehr.

Besuche sind abgestattet, unerwarteterweise mit Charakter und Wärme. Jüngere Fremdlinge spielen ab und zu einen von den älteren schnell durchschauten Frigidschickimickitanz vor, ihre Kinder beleiernd mit Gitterstabartigkeiten. Das kommende Spalierobst. Dazwischen die lustigen Radikalinskis, die streicheln und entzückt sind über Frischbabies.

Da ich gerade den Frauentraumtee genieße in seiner erdigen Kräutersanftsprache, kommt mir nur Gutes hierher, nix von Bettwanzen und Öligkeiten der schmierigen Sorte. Es gab Solches nicht.

Kirschkernkisschen über Steifkörperattacken, das hat sich die alte Frau mit den Rehzahnohrringen verdient.

Meine Lieblingskleidung zu Unschneezeiten: schwarz mit großem chinalackroten Halstuch überm wolligen Unterhemd.

Der Enkel berichtet mir laut im Restaurantklo, wie er dies und jenes reinigt, in der Nachbarkabine kichert die Stiefelettenkönigin, die das wohl etwas anders handhabt.

Einzig meine Nachttischlektüre war versehentlich ununterhaltsam ausgesucht. Zu spät gemerkt, dass es sich bei dem Buch mit dem leicht frivolen Umschlagfoto um literarische Vorlesungen handelt. (Ali Smith: Wem erzähle ich das? Luchterhand München 2017)

Deshalb ging Schlafen nur phasenweise und atembedacht. Ich fühle mich nachts immer tiersinnlich und will keine noch so interessante Vorlesung.

Bald dürfen die Frischkalender ran. Ich freue mich schon!