Die Tante, Gattin eines nicht entnazifizierten Bankdirektors, konnte nicht vor die Tür, weil der Mann ihr keine Schuhe kaufte, und sie, in durchlöcherten Filzpantoffeln, das nicht wollte. Mein armes Mamilein, ich wollte sie immer zu mir nach Kanada holen, sagte mir bei einem Besuch der Cousin meiner Mutter, der Karikaturist Lo Linkert. Er erzählte von Golfplätzen, seinem verstorbenen Sohn, seiner toten Schwester, von turnenden Schwarzbären auf Freundesterrassen, die noch leicht rauchenden Vulkane zeigte er mir. Ganz in der Nähe, oder was für Kanada Nähe heißt, den Mount St Rainier. Er lachweinte, als wir ihn besuchten. So lange keiner mehr aus der Heimat dagewesen. Den Schlauch in der Nase erklärte er lachend mit „meine Cognacpumpe will nicht mehr so richtig.“

Was hier stund, habe ich gelöscht, denn siehe, sobald es hier stund und Kommentare eine bestimmte Richtung sich lenksteigerten, tropfte es nur noch sanft und wurde mir von Minute zu Minute gleichgültiger. Kanada und Vancouver Island und die Vulkane gesehen zu haben, DAS gehört in mein Leben. Diese Erinnerungen sprühen wie die Gewissheit, noch einmal hinzukönnen und die Freiheit des Nichtmehrwollens, kaskadenartig bis lockerschön.

Denkstoff für den Kurznovember im Juli.