Meine Welt

 

Aus hellem Haus tret ich in einen Garten

Links liegt das Meer und rechts ein hohes

Von Sagenerz durchschimmertes Gebirg.

Der Liebste zündet die Kastanienkerzen an

Ich ziehe meinen Hummelpelz aus und verschlanke

Flieder und Ginster, Mandel, Anemonen

Ertragen sich im Blütenspiritus.

Nur Duft herrscht. Wie beniesen unser Wohl.

Auf blankem Holztisch tafelt auf der Mai:

Gebratne Scholle, Spargel und Rhabarber

Auch Erdbeeren, Sahne, frische Pfefferminze.

Zwölf Freunde ohne König und Lakaien

Verwoben im Gespräch. Zwischen den Augen

Das Maß des Glückes heiter streng gelassen:

 

Es sehen, wie der Stielz ums Feuer stampft

Es wissen, wo der Restwelt Kacke dampft

 

(Kerstin Hensel. In: In den sonnigen Beeten. Hundert Gedichte für Gartenfreunde. Hrsg.: Jürgen Engler.  Aufbau Berlin 2010)