Eine fast lebensgroße Jesuspuppe trug ich mit mir herum. Eine Selbstverständlichkeit, niemanden kümmerte es. Das ist in Träumen so. Die Puppe mit Hippiehaar und Bart trug fallende Gewänder, als wäre sie aus Altarbildern einer Barockkirche entsprungen. Leicht zu tragen und zu handhaben, weil das Innere aus Styropor war, wie ich mir nach dem Erwachensgelächter erklärte.

Danach las ich den ersten Satz aus meinem ersten selbst gelesenen Buch:

„Ich hatte in meiner Jugend eine Fertigkeit im Drechseln und beschäftigte mich sogar wohl etwas mehr damit, als meinen gelehrten Studien zuträglich war; wenigstens geschah es, daß mich eines Tages der Subrektor bei Rückgabe eines nicht eben fehlerlosen Exerzitiums seltsamerweise fragte, ob ich vielleicht wieder eine Nähschraube zu meiner Schwester Geburtstag gedrechselt hätte.“

(Theodor Storm: Pole Poppenspäler. Trösteinsamkeit. Eine Sammlung deutscher Meistererzählungen. Rütten & Loening Verlag Potsdam, ohne Jahresangabe).

Trösteinsamkeit – wer würde heute dergleichen so nennen!