Die letzte Freude

 

Nun sind die wilden Tage längst gestorben

Die man stets träumend hat geliebt

Es fließt ein angebrochener Morgen

So traurig durch die neugebornen Sorgen.

 

Von großen Hüten wippen nicht mehr Federn

Die schwarzen Schuhe sind schon ganz zerschlitzt

Kein Mann steht mehr in einer Ecke halb verborgen

Und wartet auf den ersten Kuß.

 

Sie liegt in allen Nächten ganz verlassen

Und denkt an die gewesene Pein

Es taucht ein Jahrmarkt auf und nieder

Von Land und Mensch und Tier und Sein.

 

Ganz leise hat das bunte Bild sich losgerissen

Die nackte Wahrheit lacht sie grinsend an

Es hat der letzte Sinn die Sinne nicht verloren

Zerbrochen liegt ein bißchen Seele in dem Hain.

 

(Sylvia von Harden. In: Anna Rheinsberg: Wie bunt entfaltet sich mein Anderssein. Lyrikerinnen der zwanziger Jahre. Gedichte und Portraits. Persona Verlag Mannheim 1993)