Die Söhne

 

Seltsam, wenn meine Söhne jetzt kommen:

Fahrende Ritter aus dem Jugendland.

Bekannt und auch schon unbekannt.

Verwandt mit mir und nicht mehr verwandt.

Sie haben von meinem Leben genommen

Und es nicht genommen. Ich bin ja doch ich.

Ich vergehe in ihnen und bleibe bestehen.

Ich möchte wissen, wie sie mich sehen.

Sicherlich reden sie über mich:

Die Mutter, sie ist, und sie hat, und sie wollte,

Sie lebt nicht so, wie sie leben sollte,

Ohne Ängstlichkeit, Kleinlichkeit, kurz, rundum freier.

Sie könnte leben zu ihrer Feier.

Ihre Gedichte gäben hinlänglich Gründe.

Es ist, also ob sie sich selbst nicht verstünde …

Dabei weiß man nie, was sie wirklich denkt,

Und manchmal sieht sie so abgelenkt,

Daß man fragt, wo sie ist? Es scheint, sie ist weit …

Und sie lächelt so seltsam, als tun WIR ihr leid?

 

(Eva Strittmatter: Die eine Rose überwältigt alles. Gedichte. Aufbau – Verlag Berlin und Weimar 1977. 5. Auflage 1982)