Endlich schafft sie`s mal, die Ruhestandserprobte, den Schulkram in die Tonne zu werfen. Menschenskinder, damit verdammst du nicht zuletzt, was dir so Last war. Veraltete Grappasäfte der Kunststundenvorbereitung, waren sie mir doch die liebsten. Belastendes gehört verdammt, verflucht, am besten völlig in den Vergessenheitsmodus, tiefe Täler im überhitzten Arizona, wo ich eh nie hinwollte. Wo ist die verquere Gewissheit hin, dass mein Berufsleben noch und nochmal abläuft? Wieder vor den Kichertanten und Lümmeln stehen- ey, du wolltest niemals wieder einen Fuß in eine Normschule stecken, dabei bleibt es, mein Fräuleinchen!

Deine Reviere liegen woanders, jetzt und zukünftlich. Schlendern durch sommerliche Wintersportorte, Topflappen häkeln mit diesen Holzgriffnadeln, bei der Frau Soziologin gekauft. Holländischen Nahkampfweibern einen feinen Umgang mit meiner Schwester wünschen, ihre Weltenbummlerzigarillos riechen, das Sein besprechen. Beim Nadelbaumfinsterwaldrauschen den Geist der armen Mutter spüren und wie sie den kürzlich verstorbenen Fürsten verehrte. Wie sie alle Männer in die oberen Bedienetagen hob und uns dabei vergaß, manchmal.

Einer hat ein Buch geschrieben, in dem geschildert wird, wie eine einsame alte Frau beim verwitweten Nachbarn klopft und ihm vorschlägt, dass er ab und zu bei ihr übernachtet, sie nur nebeneinander liegen und sich ihr Leben erzählen. Ich lese davon und will es lesen: Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht. – Eine vorzügliche Idee.

So schön das alles, dass ich meine teleskopische Rückenkratzstange ausfahre und mich wonniglich hier und da teleskopisch weichhart massiere.

Die Mutter des Enkels hat sich ein paar Osterbastelheftchen aus dem Wegwerfzeugs rausgesucht. Also doch noch für was gut.

Am Wochenende fahren wir nicht zum Mandelblütenfest an die Weinstraße, betrachten stattdessen kleine Wunder im Garten. Schachbrettblumen und Hasenglöckchen.