„…raucht wieder, dabei hatte sie schon längst aufhören wollen…; ihr Problem war aber, dass sie in ihren Träumen weitergeraucht hat. Die Träume sind immer das Problem. In ihnen geht alles weiter, was wir untertags verlieren oder nicht sehen. Manchmal wache ich auf und habe das Gefühl, auf der anderen Seite der Erde ein paralleles Leben zu führen, ein anderes Herz zu haben…“

(gefunden in meiner aktuellen Lektüre, dem sehr eindringlichen Buch „kirschholz und alte gefühle“ von Marica Bodrozic)

 

In meinen Träumen habe ich noch nie geraucht. Wohl aber fiese rothaarige Männer totgebissen, oder ich sehe Kinder ertrinken, wilde Leute rumbrüllen, lenkerlose Autos rumfahren, Teile von mir wandeln sich in Lapislazulidiamanten, zetern an Frittenbuden, Schmetterlinge sitzen auf Papstnasen, Krankenschwestern feiern ununterbrochen Silvester, Nebel wabern in Norwegen und Nackte wälzen sich in warmen Sanden. Auch tanzen geht, gar in filigranen roten Flamencoschuhchen oder im Wäschewittküchenkittel.

Das passende Gedicht wäre:

 

Sie war:

 

Ein unerwünschtes Kind, verstoßen

auch aus der Mutter Nachtgebet,

und ewig fern von jenem Großen,

das gebend durch die Zeiten geht.

 

Sie wünschte wenig – und nur selten

kam wie ein Weinen über sie

nach einem Land mit Purpurzelten,

nach einer fremden Melodie,

 

nach weißen Wegen, die nicht stauben

dann bog sie Rosen sich ins Haar,

und konnte doch nie Liebe glauben,

auch wenn es tief im Frühling war.

 

(Rainer Maria Rilke)