Mit welchen Vorhaben könnte man sich in einen grauen Sprühregenfebruarsonntag stürzen. Ach, erstmal die Eier. Tee. Traumüberbleibsel vorbeiziehen lassen. Es war was mit Ungarn, mit verzierten Villen und künstlerischen Grafikpostkarten. Durch finstere Arkaden hetzend fand ich mein Ziel nicht mehr. Ein altes Weiblein in Jugendstilwäsche wollte mir weiterhelfen. Allein, ich verstand sie nicht. Obwohl meine erste Freundin am Gernsheimer Gymnasium die Gizella aus Ungarn war. Dieses zarte Töchterlein des im Heimatland unliebsam gewordenen Schwarzbartvaters, wie habe ich sie gesucht. Im Traum war ich mit blonden Brüllfrauen, alle von Qualitätsweingütern, hingefahren. Kein Wunder deshalb, dass ich sie nicht fand.

Warum sucht man eigentlich im späteren Lebensalter nach ersten Freundesmenschen. Ist es das Suchen, das Freude bereitet, oder das Wittern nach fremdem Leben? Das Vergleichen vielleicht. Der Lebenswege. Wenn man denn gefunden hat, knallt man die Fotos hin vom erreichten Springbrunnen, dem Siedlungshäuschen, den wohlgeratenen Managerkindern mit Kitaenkelchen, schon ab der sechsten Woche?

Und immer weiter Gizella. Wer weiß, vielleicht lebt sie in Ungarn in einem Flachholzhaus mit bunten Dachschnitzereien oder in einem Kochnischenapartement neben der Gulaschfabrik.

Im Arkadentraum stand sie an keiner Ecke, verkaufte eventuell im weißen Spitzenbauernkittel die Postkarten mit der grazilen Grafik. Real wiedersehen – ach, liebste kleine Freundin, wie würde ich dich ausfragen, mögen, umarmen.