Manchmal liege ich ermordet im Haus herum. Draußen ein paar Schneeflocken. Amseln picken Frühstückskrümel. Der nächste Roman, den das alte Romantikmädchen lesen wird, beginnt mit dem Satz: „Für mich war Mutter ein Duft.“ (Lars Mytting: Die Birken wissen`s noch)

Meine Mutter duftete nicht und roch nie schlecht, höchstens später nach Gänsebraten oder Filzjacke.

Der Zustand der Welt ist unter aller Diskussion. Plastikfetzen machen Meere und mehr kaputt. Keiner kocht mehr Schweinefutter mit diesem unnachahmlich herbschweißigen Geruch.

Jedenfalls will ich im Alter nicht in die Städte, nur bei Gewinn einer Millionenwohnung am Mainzer Rheinufer. Kein Anfahrweg mehr ins Museum, in die Buchhandlung am Dom, ins Heiliggeist oder Cafe Pomp, ins kleine Sonderkino, ins Staatstheater, auf den schrecklichen Weihnachtsmarkt, Zeichenblöcke kaufen im Hause Listmann, schöne Postkarten und Papier und Stifte mit Bibelversen im Gutenbergmuseumsladen, dann der Bücherflohmarkt mit dem alten Flamencogitarristen. Stattdessen hier im Nebeldorf für jeden Milchreiskauf ein Auto mieten oder des Nachbarn Geruchsbelästigungen dulden. Später die frische Luft anbeten und Ampel spielen für den Enkel.

In der Zeitung lesen, wie dumm gar Germanistikstudenten sind. Wer war nochmal Goethe – ach, irgend so`n oller Toter.

Man kann sich den Kopf zermartern.

Man kann die Arme ausbreiten und ein vorletztes Mal die Welt umarmen!