Vier Nachtstücke

 

Hastig

Wie eine Frau, die zu dem Liebsten eilt,

Kommt die Nacht in den Weltraum

Und lagert sich hingebend und zufrieden

An das runde, kühle Gesicht

Des Mondes.

 

Nacht ist ein neugieriges Kind, schweifend

Zwischen Himmel und Erde, es schleicht

Durch Fenstern und Türen, verschmiert

Die ganze Umwelt

Mit Schieferfarbe.

Tag

Ist die nachsichtige Mutter,

Die mit dem Lappen in der Hand

Hinterhergeht.

 

Hausierend

Von Tür zu Tür,

Verkauft die Nacht

Schwarze Säcke mit Pfefferminzsternen

Und häuft Mondhörnchen aus Vanille drauf,

Bis ihr die Ware ausgeht,

Dann schlurft sei heim

Und klimpert mit den kleinen Kupferstücken

Morgenrot.

 

Nacht ist Gesang, brüchig und dünn,

Der in Millionen Fragmente zerschellt,

Zu kleinen Schattentupfen,

Im jubenlden Jazz

Der Morgensonne.

 

(Frank Marshall Davis. In: Meine dunklen Hände. Moderne Negerlyrik. Herausgegeben und übertragen von Eva Hesse und Paridam von dem Knesebeck. Nymphenburger Verlagshandlung München 1953)