Nachtcafe

 

Peinlicher Duft beißender Parfümerien,

Rauschgetränke und Zigaretten.

An kleinen Tischen, von beweglichen Kellnern

umflattert, heimentlaufene Provinzialen,

vollblütige Jugend und, sichtlich gewürdigt

glatzige Greise mit Stammkelchen.

An den Wänden glucken

wie Giftpilze bunt

Schneppen zur Wahl. Markt.

Fette und Fleischige, Schwammige, Wabblige,

wie Masttiere vom Schlachthof;

andere, hautüberzogene Knochen,

hölzern und eckig mager,

angepinselte Leichen.

Halbakte. Entblößte Rücken

und Busen bis an die Warzen.

Offen zum Geldeinwurf.

Augen voll Lebensgeschichten,

gemeine und traurige.

Schicksalsberufene, Schicksalsgestoßene,

Ausgelebte.

Sie blinzeln und zwinkern

und lächeln einstudiert.

Untereinander tuscheln sie,

obgleich sie sich hassen

wie futterneidische Tiere.

Und lecken und beißen die Lippen,

nippen mechanisch an ihrem Glas.

Kellnervertraulichkeit. –

Zweie sind sich einig und gehen.

Alle winken und schachern,

gemustert, bemessen und bemäkelt

wie Lumpen im Trödelladen.

Kaum daß man es merkt

Wechseln die Weiber.

Leise hautreizend, prickelnd,

frech und leidenschaftswild

wühlt ein Bohèmegeiger mit seiner Kapelle

Musik in die Glieder.

 

(Oskar Kanehl)