Winter

 

Aus Schneegestäub´ und Nebelqualm

Bricht endlich doch ein klarer Tag:

Da fliegen alle Fenster auf,

Ein jeder späht, was er vermag.

 

Ob jene Blöcke Häuser sind?

Ein Weiher jener ebne Raum?

Fürwahr, in dieser Uniform

Den Glockenturm erkennt man kaum;

 

Und alles Leben liegt zerdrückt,

Wie unterm Leichentuch erstickt.

Doch schau! an Horizontes Rand

Begegnet mir lebend´ges Land.

 

Du starrer Wächter, laß ihn los

Den Föhn aus deiner Kerker Schoß!

Wo schwärzlich jene Riffe spalten,

Da muß er Quarantäne halten,

Der Fremdling aus der Lombardei;

O Säntis, gib den Tauwind frei!

 

(Annette von Droste-Hülshoff)