Als Kind musste ich zu blöden Schlinger- und Schmatzleuten Onkel und Tante sagen. Später ging ich einfach zur kinderlosen Nachbarin und ließ mir Spiegeleier braten. Leider petzte sie es meiner Hexenoma, die mich daraufhin ohrfeigte, nach dem Motto „Was sollen denn die Leute denken? Die denken ja, du müsstest hier hungern!“ Klatsch, flatsch, ohne Essen ins Bett und so. Zur Strafe riss ich große Tapetenstücke überm Gitterbettchen weg oder schmierte eklige Sachen hinter die ungeliebte Schlafstatt. Wenn die herbeigesehnte Mutter zu Besuch kam, warf ich ihre Geschenke ins Klo und war bitterlich ungehalten. Kinder sind so. Heimlich um drei Ecken, damit nicht gleich jeder den kaum zu unterdrückenden Zorn mitbekommt. Es würde ja doch nur wieder klatschen und batschen.

Heute frisst man ärgerliche Zörne mit glasierten Karöttchen an Zwiebelschaumsoße runter, schaut sich im Leisemurmelvornehmrestaurant um, scharrt unterm Tisch, parliert fein oben, die Hände ordentlich beim Besteck von außen nach innen nehmend oder umgekehrt. Also wir gehen nur dorthin, wo es keine gelben Vorhänge gibt und keine dörrigen Langweilerpflanzen an den Fenstern, mehr so wertvolliges Glitzervasenzeug oder gar nachempfundene Kunstwerksskulpturen, kleine Meerjungfrau und so.

Das Schweigen der Männer taut hier ein wenig auf, aber Stinkstiefelhochmutsnachrichten gibt es nur bei Volltrunkenheit. Da werden Kerle zu Hyänen, zu gestikulierenden, bedienungstätschelnden Singmeistern der unteren Vollwollklasse.

Am zugefrorenen Rattenbach, der schon lange Feldgraben heißt, stand ich mit der gefrierlachenden Freundin. Wir erzählten von früher, weißt du noch, die fette Brummhummel an Eurem Vorhang früher, und wie Ihr erstarrtet, als der vom heimkommenden Vater im Schloss gedrehte Schlüssel mit einem Schlag die Tür zum vorher singenden Frauenhaushalt öffnete? Irgendwie brutal.

Da wollte ich nur noch weg.