An den Mond

 

Dein stilles Silberlicht

Erquickt mir mein Gesicht.

O Mond, Gedankenfreund, ich sehe dich von weiten

Und winke dich zu mir

Und bin nicht weit von dir

Und denk an schönre Zeiten.

 

Wer einst, du lieber Mond,

In diesem Hüttchen wohnt

Und sieht dein Silberlicht, dem magst du keine Falten

Auf seiner Stirne sehn,

Magst still vorübergehn

Und ihn für glücklich halten.

 

Daß ich`s nicht bin, sag ich

Nur dir und tröste mich, –

O Mond, Gedankenfreund, – daß stille Nächte kommen!

Dir nur vertrau ich`s, dir:

Schon manche Nacht hat mir

Des Tages Gram genommen!

 

(Johann Wilhelm Ludwig Gleim)