Der Winter

 

A.

Der böse, böse winter!

Die freuden und die scherze

Entfliehn bey seiner ankunft;

Mit schneidenden gewehren

Belagert er die hütten;

Ein weiß gewand umgiebet

Erstorbene gefilde;

Statt eines Zephirs säuseln

Heult izt der rauhe nordwind,

Und kein gefaellges maedchen

Laeßt ihren busen offen.

Der böse, böse winter!

 

B.

Nein, Freund, im kalten winter

Ist freude nicht erstorben;

Sie winkt zwar nicht in feldern,

Doch sie entweicht in zimmer,

Zum sommer umgeschaffen

Durch eines ofens waerme.

Hier scherzt der kleine Amor,

In zobelpelz vergraben,

Auf einem weichen sopha

An holder Nymphen busen.

Auch Bachus ist nicht ferne,

Es dampft zu seinen ehren

Der Punsch in goldnen schaalen.

Conzerte, Maskeraden,

Komödien und Opern

Verkürzen lange naechte.

Auch ist die zeit des winters

Die zeit der aechten freundschaft;

Da wird bey weisen reden,

Am vollen caffeetische

Den Grazien geopfert,

Wie oft bey dir, o A …

Der schoene, schoene winter!

 

(Ludwig August Unzer, 1748 -1774)