Meine seltenen Aufreglaunen befeuere ich mit Zornesklümpchen von Leuten, die hier in meinem Blog lediglich „liken“, das aber immer, kurz nachdem ein Beitrag erschien, egal, wie auserwählt fein oder langweilig doof der Text ist. Ob die überhaupt lesen, weiß ich nicht, ist mir fast immer egal. Nur nicht, wie gesagt, wenn es lodert, flammt und brennt. Cholerisch, nein, nein, das würde zu weit führen. Doch nicht so sanftmütig fein lieb gütig, wie es ursprünglich in mir angelegt war. Nach deftig heftigen Lachsturzanfällen ist der Kurzzeitärger über die Nuranklicker wieder vergessen. Manchmal mach ich das ja auch. Geht auch ein nur JA oder gilt heftiges Kopfschütteln mit Sahnehäubchen, ach, das müsste man in Worte fassen.

Weil man die Blogmenschen nicht sieht mit ihrem Lächeln oder anderen Gemütsäußerungen, muss man aufpassen. Missverständnisse können zu was führen, was man so gar nicht beabsichtigt hatte. Kommentarkriegerische Handlungen bekommt man hier und da mit. Nicht erhebend. Unliebsame Hormonstöße, rote Truthahnaufregerhälse, Schluckauf, Sofakissenboxen, Bauchweh, all das kann auftreten. Rausrennen, auf die Schnauze fallen, bei den Nachbarn lärmen, fette Pickel kriegen, Blechdosen ans Auto binden, Fotos zerreissen, derbe Brocken kotzen. Nun ja. Meine Gattin mag keinen aufgewärmten Kaffee, sagte mir einmal einer, der hier zu Besuch war. Ich wollte grad den vom Limnologen gelernten Milchkaffee zubereiten, da sagte der das!

Kein kiesiger Buddhavorgarten lehrte mich Gelassenheit, eher das Älterwerden. Ohja, genau das. Henry Miller und vorher Theodor Storm haben ebenso Anteil daran, wie Erica Jong, Christa Wolf und Volker Lechtenbrink, Quatsch – Janis Joplin, Leonard Cohen und saufende WG-Mitbewohnerinnen, die mich manchmal mit dem Brotmesser lynchen wollten.

Alles überstanden samt grapschender Opas, glotzender Notgeilkollegen und giftiger Madames, ach, was haben wir gelacht. Und tun es wieder. Irgendwie anders jetzt. Altersweises Gekichere ist es nicht, heiseres, wissendes Soziologinnenlachen auch nicht. Wie nenne ich das leise, herzlich-herrliche Wissensgelächter bei Schneefall oder im warmen Cafe?