Wegen mangelnder Vitalität könnte ich mir heute ganztags Geburten bei YouTube anschauen, Tierfilme oder was über Vulkane bei arte ebenso möglich. Ob ich mir ein Po-Kissen-Höschen kaufe oder mich sekundenschnell in eine junge Grauhaarstudienrätin verliebe, wie gestern im Kleinstadtcafe beinahe geschehen? Will ich nach Warschau reisen oder in Winterberg warme Socken erwerben?

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Elegantes Auftreten in Schlurfpantoffeln unmöglich. Desgleichen frohes Ausschreiten in Glatteislandschaften, die kleine Geishatrippelschrittchen zulassen, man will ja nicht brüllend schmerzoberschenkelhalsgebrochen auf glattem Kopfsteinpflaster zu liegen kommen.

Im Lelouch-Film „Ein Mann und eine Frau“ wurde viel geraucht und langsam, schön, leise oder rennautoröhrend zart erzählt.

All das vermischt sich mit der Suche nach dem umwerfend geschriebenen Roman, derzeit schwierig.

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In der Zielgeraden lässt es sich lachen, unverklemmt herzlich. Wir wissen viel und sind zum Glück fein gnädig geworden!