Nein, nichts davon war mein Weihnachten. Eigentlich nur Enkelfreude, gute Halswehlutschtabletten, herzwarme Gespräche mit Rändern von Tränenhemdchen, seidigen.

Ein Schlafengel drückte mir feinen Kaffee in die Hand, ein anderer lässt mich gieren nach einem Buch. Die Biografie „Durch Mauern gehen“ von Marina Abramovic, die will ich lesen nach dem braven Ortheil und dem schönen Glücksbuch „Das Leben ist gut“ von Capus.

Feine Post habe ich bekommen, schon Tage vor den Festen ging es los. Ich liebe Worte, besonders welche, die vor Liebe wackeln und tanzen! Was für Schönhandschriften waren das, was für liebevolle Ausschmückerchen, kleine festliche Endedestischesherzeigegalerie!

Das Gedicht, woraus der Schlafengel stammt:

 

Winter I

 

In der Drachenwohnung

haben wir uns eingerichtet

 

Schon blühen

glitzernde Eisfarren

auf der Scheibe

und der lachende Schneemann

kehrt den Wind

vor unsrer Tür

 

Wir träumen

daß es einen Schlafengel gibt

 

(Rose Ausländer. In: Alles sieht so festlich aus. Gedichte und Geschichten zur Weihnacht. Hrsg.: Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell. Reclam Stuttgart 2005)