Diese Woche auf dem Arche-Literaturkalenderblatt:

Ein Zitat aus den Briefen an Olga, jenen Betrachtungen aus dem Gefängnis, die Václav Havel in der Zeit seiner insgesamt fünfjährigen Haft einmal wöchentlich an seine Frau schreiben durfte.

„Wenn ich mir zum Beispiel die seltene und schöne Zeit vorstelle, in der ich einen Einfall für ein Schauspiel bekomme, einen so dankbaren und guten Einfall, daß er mich sozusagen vom Stuhl reißt; wenn ich mir weiter vorstelle, daß es mir in einer Art Trance tatsächlich gelingt, ein Stück niederzuschreiben, mit dem ich zufrieden bin; wenn ich mir vorstelle, …daß Freunde es gelesen haben und es ihnen gefallen hat, ja, daß sogar auch die Theater Interesse zeigen, wenn ich mir das alles vorstelle, dann muß ich mir notwendigerweise auch den Augenblick vorstellen, in dem ich das alles schon definitiv hinter mir habe und wieder die schreckliche Frage vor mir steht: „na und?“, „ist das alles?“, „was jetzt?“, „was weiter?“ Ich würde sogar sagen, je „ernsthafter“ und zeitlich anspruchsvoller die sinngebende Lebenstätigkeit ist, desto entsetzlicher ist die Leere, die auf sie folgt.“   Václav Havel an seine Frau Olga, 15. August 1981