Was trage ich an andrer Stelle. In Potsdam war ich noch nie, wohl aber meine alte Mühlenfreundin, die es als „herrlich“ beschrieb. Außerdem bleibt sie nur noch für kurze Strecken und Momente in den Städten. Fluchtdrang entsteht dann. Lieber nimmt sie mein gesammeltes Altbrotarsenal mit, um damit einen verwahrlosten Ziegenbock im Nachbardorf durchzufüttern. Eine Herde bräuchte der auch, aber der uralte Mann, sein Hüter,  denkt gar nicht dran. Vielleicht helfen ihre guten Worte samt knochentrockener Brotkanten etwas.

Ein wunderbarer handgeschriebener Brief aus Mecklenburg-Vorpommern wurde mit meinem giftgrünen Töpferhandwerksscharfmesser vorsichtig aufgeschlitzt, innen mit Kussmund und allem. Wie ich so etwas liebe! Und nächste Woche geht die Schreiberin zum Krimimarathon. Was das wohl ist, vielleicht mit in dunklen Ecken geifernden Mafiatypen, oder fein hintersinnigen Rotlippenmädels, die mit unerwartet tiefen Staatsanwältinnenstimmen brillieren? Die wetzen über Pfützenwege ein grausliges Mördermarathonrennen? Und küssen sich dabei die dicken Lippen blutig abends beim Stehblues?

Meine Grünkiste will wissen, was ich statt der Topinamburdinger ins Haus geliefert bekomme. Ach, einfach ein zartes Lammkehlchen oder hinterchinesische Legehennenfüße. Wie, das haben Sie nicht im Sortiment? Nicht nur Sie sollten mich im November nicht desillusionieren, will ich doch weiterhin blaue Dämmerstunden feiern und mir keinen Kopf machen um Weltgeschehen und Kisteninhalte.

Was täte ich in Potsdam? Eventuell den giftgrünen Brieföffner in dunkelroten Samtstoff betten und beten.

Brieföffnerbettenbeten, eine neue Disziplin für die, an der eine Gefängnisaufseherin vorbei gegangen ist.