Ein grünes Fröschlein

 

Ich habe einen kleinen Frosch gesehen,

Ein grünes Fröschlein auf dem dunklern Blatt.

Es weilte, wohl von Schmaus und Springen satt,

Ganz kindernackt, mit Augen, die verstehen.

 

Es sonnte sich. Wir bauten ein Gefäß

Mit Rasenstücken, schlanken Fliederzweigen

Voll Laub, für`s lustige Auf- und Niedersteigen

Zu räumig hellem Häuschen, ihm gemäß.

 

Nun aber ängstet`s aus Gezweig und Gras

An die papierne Decke, klettert, rennt,

Von Luft und ungebrochnem Licht getrennt

Durch dünne Wand nur, eine Wand von Glas…

 

Schon schickt Oktober strengren Wind. Ich friere.

Ein Frost – sein atmend zarter Leib wär Stein.

Ich weiß ja nichts. Vergebt mir, kleine Tiere!

Ich bin nicht mehr als ihr und sperr euch ein …

 

(Gertrud Kolmar. In: Grüne Gedichte. Hrsg.: Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell. Reclam Stuttgart 2007)