Jüngst sah ich den Wind

 

Jüngst sah ich den Wind,

das himmlische Kind,

als ich träumend im Walde gelegen,

und hinter ihm schritt

mit trippelndem Tritt

sein Bruder, der Sommerregen.

In den Wipfeln da ging`s

nach rechts und nach links,

als wiegte der Wind sich im Bettchen;

und sein Brüderchen sang:

„Die Binke, die Bank,“

und schlüpfte von Blättchen zu Blättchen.

 

Weiß selbst nicht, wie`s kam,

gar zu wundersam

es regnete, tropfte und rauschte,

dass ich selber ein Kind,

wie Regen und Wind,

das Spielen der beiden belauschte.

Dann wurde es Nacht,

und eh ich`s gedacht,

waren fort, die das Märchen mir schufen.

Ihr Mütterlein

hatte sie fein

hinauf in den Himmel gerufen.

 

(Arno Holz. In: Heiter und vergnügt. Edition Poesie August. Lingen Köln 2005)