„Heiter und glatt warte ich auf mich selbst, warte, dass ich mich langsam erhebe und wahrhaftig vor meinen Augen erscheine. Statt mich zu erreichen, indem ich fliehe, sehe ich mich schutzlos, alleingelassen, in eine Zelle ohne Dimension geworfen, wo Licht und Schatten stille Gespenster sind. In meinem Innern finde ich die gesuchte Stille.“  (Claire Lispector, Nahe dem wilden Herzen, 1944)

 

Claire Lispector, geboren am 10.12.1920 im ukrainischen Tschetschelnik, erlangte bereits vor ihrem frühen Tod am 9.12.1977 in Rio de Janeiro den Ruf einer faszinierenden Legende. Widersprüchliche Gerüchte um ihr Alter, ihre Herkunft und ihre Religion verhalfen der jüdischen Schriftstellerin und Journalistin zu ihrem Beinamen „Die Sphinx von Rio de Janeiro“. Dass sie selbst jeden noch so vagen Hinweis auf ihre Ursprünge verweigerte, steht in starkem Kontrast zu ihrem vielfach ausgezeichneten literarischen Werk, das als Spiegel ihrer Seele ihr Innerstes entblößt und sie bereits zu Lebzeiten zu einer Ikone der brasilianischen Literatur machte. Nicht weniger legendär als sie selbst war ihr rauchender und Alkohol trinkender Hund Ulisses, der sie bis zu ihrem Tod begleitete.

(auf einer Seite des Aufbau-Literaturkalenders 2015)