erste astern

 

die erste vase voller astern im august

das tischtuch nässend fand ich auf dem flur

ihr abgerissnes rot roch noch nach regen

ihr leichtes lila macht mir bewußt

wie abend riecht an aufgeweichten wegen

der regen klopfte laut wie eine uhr

ach nie erfahr ich was ich stets entbehrte

der erste regen riecht bedeutungsvoll nach erde

 

als wüchsen sie an leicht verrufnen orten.

wo schweigen wuchert kaum betretner gärten

nur mühsam ungesagtes zu erhärten

so drängen erste astern mich zu worten –

 

(Wolfgang Hilbig. In: Atem der Erde. Lyrik zu den vier Jahreszeiten. Hrsg.: Asta Scheib. Radius Verlag Stuttgart 2013)