Im Regen

 

Unterm Holzdach hocken,

Wenn die Wasser rauschen, wenn die Regenfrauen

Murmelnd wandeln durch die nassen Auen,

Triefend wehen ihre Wasserlocken –

Unterm Holzdach ist es gut zu warten,

Einmal wieder wohl

Pfeift der Goldpirol,

Und die Rosen leuchten heiß im Garten.

 

Hör die Tropfen fallen, hör die Tropfen hallen,

Rings im Kreise singt das Regenlied,

Abwärts geht die Wasserflut mit Schallen,

Die die Erde saugend niederzieht,

Hier im Regenwebstuhl sitzen wir gefangen,

Nässe steht in Fäden steil und schwer,

Nässe flackert wie der Einschuß quer,

Den die Regenweberschifflein schwangen,

Aber müder wehen schon die Strähnen,

Aber ferner wird schon der Gesang,

Wie ein leises Echo nur zu wähnen

Von des talwärts ziehnden Wassers Gang.

 

Warten noch und lauschen,

Letzte Tropfen fallen, leise durch die Ruhe

Geht schon wieder Takt der Wanderschuhe,

Und die regenschweren Wipfel rauschen,

Unterm Holzdach warten wir noch gerne,

Dampfend liegt das Tal –

Da, mit einemmal

Leuchtet hoch am Passe blau die Ferne.

 

(Hans Leifhelm. In: Das Sommerbuch. Gedichte und Prosa. Hrsg.: Hans Bender. Insel Verlag Frankfurt 1985)