Unser Nachbar steigt immer wieder auf sein Dach, um freie Sicht zu uns rüber zu haben, schaut ungeniert, wenn wir zusammensitzen und gegrillte Auberginen oder schmandige Kuchen speisen. Er scheint so gästearm verbittert, dass ich ihn schon einladen wollte, doch einfach dazuzukommen. Was das noch wird, mal sehen.

Heute früh fand ich einen Zahn im Slip. Entsetzen. Bei näherer Prüfung war es nur ein Klopapierknöllchen. Ach, ich muss doch wieder mehr baden. Vielleicht war es nur ein Zahn der Zeit, ein olles Ding, das aufmerksam machen wollte?

Eine Frau hat ihrem todkranken Mann in seinen letzten Lebenswochen täglich einen geblasen, las ich irgendwo. Wie soll ich das denn finden, dagegen ist das mit dem Festpapierzahnding ja gar nichts.

Oder dass ältere Schauspieler die einmal einstudierten Worte nicht mehr loswerden. Einer habe sich sogar deswegen umgebracht, sich im Wattenmeer `ne Kuhle gegraben, reingelegt und auf die Flut gewartet. Wie fern kann einem das denn liegen.

Die Mühlenfreundin kam gestern urplötzlich auf ihrer Altentenfahrt hier vorbei, für kurze Momente waren wir belustigte Weiber, die nachmittags Prosecco trinknippen. Die Geschichten sprudelten, während draußen Steinsägen kreischten.

Wir werden kaum fertig mit den Rheinhessen- Mühlen – Geburts-Tagen, mit dem nichtdamenhaften Gelächter über beobachtete Menschenturbulenzen der jungen oder mittelalten Dramaleutchen.

Nachbar und zugelaufene Katze, warum bleibt Ihr so scheu?