GOLDRAND

 

Das Glas mit dem Goldrand

steht kaum beachtet

in der Vitrine. Niemand

wirft es gegen die Wand

wie früher, als das Stubenmädchen

die Scherben zusammenkehren musste

und am Ende der Nacht den Sohn

des Hausherrn bei sich wärmte.

Falls daraus unvorsichtiger Weise

ein Kind entstand, wurde es

im Souterrain auf ein Leben

ohne Goldrand

vorbereitet.

 

(Erich Jooß. In: Das Gedicht. Hrsg.: Anton G.Leitner und Hellmuth Opitz. Der Swing vom Ding. Die Lust am Objekt. Anton G. Leitner-Verlag. Band 22. Weßling 2014)