Ich habe meinen Augenblick verpasst

 

Wie sollte ich ihn nicht verpassen, da ich im Internet

die Presse von morgen lese, die Lieder der weißen Zwerge

des Rocks höre, die Supernovas vortäuschen. Da ich sehe,

 

wie der Tsunami von vor Jahren noch immer dieselben

Dörfer verschlingt und die Türme des World Trade Centers

jede Nacht

eilig wiederaufgebaut werden, damit sie träge

 

einstürzen können am Tag. Sag doch – wie sollte man seinen

Augenblick nicht verpassen in einer Welt, in der eine

Zeitung

in vier Versionen erscheint: konservativ,

 

fortschrittlich, gemäßigt und ohne Text. In Zeiten,

da nicht genutzte Minuten auf den nächsten

Monat übergehen. Ich habe meinen Augenblick verpasst,

Wann, wo?

 

Oder vielleicht hat er mich verpasst? Ist hinter

dem Horizont verschwunden, endlos auseinandergegangen.

 

Und wartet.

 

(Tadeusz Dabrowski. In: Schau an, die Zeit. Gedichte und Fotografien. Hrsg.: Ulrichadolf Namislow. Reclam Stuttgart 2016)